Dragon Age 2

33ab706c028d151244f7f58730a56291Bioware, der Erfinder der Baldur’s Gate Saga, steht für qualitativ hochwertige Rollenspielkost. Dragon Age wurde wurde als ebenbürtiger Nachkomme dieser epischen Saga von vielen Spielern geliebt. Nun kommt nach nur eineinhalbjähriger Entwicklungszeit der Nachfolger in die Läden und kann leider nicht vollkommen die hohen Erwartungen erfüllen.

 

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Die Geschichte um Dragon Age 2 wird anfangs noch gut in Szene gesetzt. Alles beginnt mit einem Verhör zwischen einem Sucher der Kirche und einen noch unbekannten Zwerg. In Rückblicken wird auf diese Weise die Geschichte um den Aufstieg des Champions erzählt. Das fehlende Hintergrundwissen beim Spieler schürt eine gewisse Spannung, die leider nicht sehr lange aufrecht erhalten werden kann.
Leider beginnt gerade der Einstieg ins Spiel mehr als plump. Man findet sich mit seiner Gruppe auf offenem Felde von Feinden umzingelt und muss sich zuerst durch wahre Gegnerhorden schnetzeln. Man fühlt sich wie in ein Hack n Slay Spiel ala Diablo versetzt und nicht in ein Rollenspiel, wie man es normalerweise von Bioware gewohnt ist. Den Anfang hätte man irgendwie anders gestalten müssen, zumal die Hintergrundfakten viel mehr hergegeben hätten. So bekommt der Spieler in Dragon Age 2 die Möglichkeit komplette 10 Jahre rund um die Stadt Kirkwall durch seine Handlungen zu beeinflussen. Aktuelle Situationen und Konflikte können sich also auf Taten und Entscheidungen aus der Vergangenheit beziehen. Dies klingt erst einmal sehr motivierend und aufregend!
Leider kommt die Geschichte dennoch erst einmal so überhaupt nicht richtig in Gang. Die ersten 7-10 Stunden Spielzeit kommt man nicht wirklich in die Geschichte rein. Gerade hier hätte Bioware deutlich mehr Zeit investieren müssen um den Spieler mit einer spannenden Geschichte zu unterhalten. Es kommt einem erst einmal so vor als wenn die Spielzeit künstlich gestreckt werden müsste. So muss man beispielsweise direkt zu Beginn einen größeren Geldbetrag anhäufen und Partner bei einer Expedition zu werden. Wow – etwas mehr Einfallsreichtum hätte es doch nun wirklich sein dürfen. Zwar lernt man dadurch die Spielwelt etwas besser kennen – aber ob die ganzen kleineren Aufträge zur reinen Geldgewinnung zu den Qualitätsansprüchen von Bioware passen darf an dieser Stelle einmal bezweifelt werden. An dieser Stelle aber auch noch etwas Erleichterung: Hat man die ersten 6-8 Stunden „überstanden“ werden die Quests deutlich interessanter und packender.

Zu Beginn muss sich der Spieler für eine Klasse entscheiden. Es stehen ein Krieger, ein Magier sowie ein Schurke zur Auswahl – jeweils in männlicher oder weiblicher Fassung. Dazu müssen noch ein paar Fertigkeitspunkte vergeben werden, welche die Kampffähigkeiten des Protagonisten beeinflussen. Weiterhin kann man auch seinen alten Spielstand aus Dragon Age importieren. Bemerkenswert ist, dass sich die Entscheidungen aus dem ersten Spiel auf Dragon Age 2 auswirken. So können beispielsweise Dialoge ändern. Wer Teil 1 nicht beendet hat kann auch komplett neu anfangen und muss sich dann entscheiden, wie der erste Teil beendet wurde. War der Protagonist ein Märtyrer oder doch ein wahrer Held?

Wie aus Teil 1 bekannt, wird der Spieler von bis zu drei Mitstreitern auf seinen Wegen begleitet. Man bekommt auch recht schnell im Spiel eine gute Anzahl von Bewerbern auf einen der freien Plätze an eurer Seite, so dass man sich entscheiden muss, wen man denn nun auf die nächste Quest mitnehmen möchte. Es stehen hier eine Vielzahl verschiedener Klassen mit unterschiedlichen Fähigkeiten zur Verfügung, vom Krieger über den Magier bis zum Schurken. Die Wahl fällt dabei nicht immer leicht und man muss oft Kompromisse zwischen einem Heiler und einem weiteren Damage-Dealer schließen. Dabei sind eure Mitstreiter nicht nur für die Kämpfe wichtig, sondern bieten so auch in Dialogen neue Optionen. Oft kann euch ein Charakter unterstützen, so dass ihr neue zusätzliche Informationen bekommt, die sonst im verborgenen geblieben wären.

Sehr gut umgesetzt sind auch die vielen Entscheidungsmöglichkeiten im Laufe der Geschichte. Zu unzähligen Gelegenheiten wird man vor die Wahl gestellt, wie man sich nun verhalten möchte. Soll man eine Person befreien oder doch lieber töten? Glaubt man aus Ausflüchten eines mutmaßlichen Mörders oder stellt man sich gegen ihn? Dabei muss immer im Hinterkopf behalten werden, dass sich alle Entscheidungen auf die Zukunft auswirken können. Was ihr anfangs entscheidet, kann euch also im weiteren Verlauf der Geschichte noch einmal treffen.
Leider wurden aber viele Entscheidungen in einfache Kategorien gesteckt. Man kann entweder gut oder böse handeln, manchmal auch noch einen Zwischenweg gehen. Diese Wahlmöglichkeiten sind dabei in den Dialogoptionen auch noch relativ plump mit roter oder grüner Farbgebung hinterlegt. Hier hätte Bioware auch etwas mehr Fingerspitzengefühl beweisen können und die Farbe einfach weglassen können.

Das Kampfsystem überrascht anfangs zusätzlich. So ist in den ersten Spielstunden quasi kein taktisches Vorgehen notwendig, geschweige denn sinnvoller Einsatz der Fertigkeiten und Waffen. Es genügt tatsächlich seinen Protagonisten zu steuern und die Gegnerhorden wegzuschnetzeln. Die Mitstreiter kommen dabei bestens alleine zurecht und müssen nicht explizit angewiesen werden die richtigen Dinge zu tun. Das war im ersten Teil noch komplett anders, wo u.a. das richtige Positionieren der Figuren eine große Rolle spielte. Leider verliert man in vielen Kämpfen auch schlicht die Übersicht. Das liegt zum einen an der schieren Gegnerfluten, die oft von allen Seiten heranstürmen, sowie dem wirklich übertriebenen Einsatz von Blut. Überall spritzt es rot und versperrt die Sicht auf das Spielgeschehen. Ist ein Kampf überstanden sehen die Charaktere aus, als hätten sie in Blut gebadet. Das wirkt einfach nur arg übertrieben und ist der Atmosphäre absolut nicht zuträglich.
Im weiteren Verlauf des Spiel wird taktisches Vorgehen doch noch wichtiger. Allerdings erreicht dies lange nicht mehr die Komplexität des Vorgängers. Bioware möchte wohl eher den „Mainstream-Spieler“ ansprechen, denn oftmals reicht es, wenn man sich zu Beginn eines Kampfes um den Anführer kümmert und dann den Rest erledigt. Schnelle Action steht ganz klar im Vordergrund. Hier wird eindeutig sehr viel Potential verschenkt, was man normalerweise von einem reinrassigen Rollenspiel erwarten würde.
Alles andere als episch ist auch die Spielwelt. Wer sich auf eine riesige Spielwelt wie im Vorgänger gefreut hat, wird leider enttäuscht sein. Das Geschehen spielt fast ausschließlich in der Stadt Kirkwall und der direkten Umgebung statt. Lange Reisen sind nicht mehr notwendig. Zwischen Tag und Nacht wird ganz einfach in der Kartenübersicht umgeschaltet. Dabei ist besonders auffallend, dass man die wenigen Gebiete immer und immer wieder für neue Quests besuchen muss. Spätestens wenn man zum 12. mal in die Dunkelstadt gehen muss um einen Auftrag zu erledigen kommt nervige Langeweile auf. Was ist aus der riesigen Welt des Vorgängers geworden? Es kommt einem so vor, als hätte die kurze Entwicklungszeit nicht ausgereicht um viele unterschiedliche Umgebungen zu designen. Stattdessen müssen die wenigen Vorhandenen Gebiete einfach immer wieder herhalten. Und dabei sind sogar diese Gebiete oft sehr klein und von engen Levelgrenzen umgeben. Man fühlt sich irgendwie von Anfang bis zum Ende sehr eingeschränkt.

Auch die Technik kann heutzutage nicht mehr wirklich begeistern. Dabei beweisen die Entwickler viel Liebe zum Detail, wenn man sich die Umgebungen genauer ansieht. Nur die Technik ist nicht mehr auf dem aktuellen Stand. So viel Liebe in die Umgebung gesteckt wurde, so wenig wurde an das Design der Ausrüstung gedacht. Alle Gegenstände besitzen nur Symbole anstatt eigene Grafiken. Bessere Gegenstände sind nur anhand einer Sternbewertung von niederwertigen Kram zu unterscheiden. Normalerweise ist man auch hier mehr von Bioware gewohnt. Die Charaktere hingegen sind sehr schön designt und sehen auch in Nahaufnahme allesamt sehr gut aus.
Weiterhin können auch die vielen Dialoge begeistern. Neben den unzähligen Auswahlmöglichkeiten mit den NPCs unterhalten sich auch eure Begleiter immer wieder untereinander. Dies bringt die Story zwar nicht voran aber trägt doch einiges zur Atmosphäre bei.

 

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Post Author: Admin

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