Mass Effect 2

b29ca03bf08ce2c2af0267ad2f290554Mass Effect ist als Trilogie ausgelegt und kurz vor Erscheinen des dritten und abschließenden Teils kommen nun auch PlayStation 3 Besitzer in den Genuss des Action-Rollenspiels aus dem Hause Bioware. Mit neuer Engine aber gewohntem Spielinhalt möchte Electronic Arts nun auf der neuen Konsole neue Fans gewinnen..

 

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Wir befinden uns in einer fernen Zukunft. Die Menschen haben bereits den Weltraum erschlossen und viele Planeten außerhalb der Erde besiedelt und man lebt mit vielen verschiedenen Spezies in den verschiedensten Welten miteinander. Doch leider geschehen mysteriöse Dinge. Zehntausende Menschen aus Randgebieten verschwinden einfach ohne jede Spur. Ganze Planeten sind plötzlich komplett verlassen. Wer steckt dahinter? Sind es wieder die Reaper mit ihren Verbündeten, den Geth? Sind es die Kroganer? Oder eine bislang völlig unbekannte Spezies? Natürlich ist es die Aufgabe des Spielers in der Haut von Commander Shepard (bekannt aus dem ersten Teil) dieser Frage auf den Grund zu gehen und die Sicherheit in der Galaxie wieder herzustellen.
 
Auf dem PC  konnte man zu Beginn des Spiels den Spielstand des ersten Teils importieren und so je nach Ausgang des ersten Teils das Spiel weiterspielen. Da Mass Effect 2 jetzt erstmalig auf der PlayStation erscheint ist dies natürlich nicht möglich. Hier hat sich Bioware aber etwas Schönes einfallen lassen. Ihr erlebt die Geschichte von Mass Effect nämlich noch einmal in einem gut gemachten Comic. An kritischen Stellen, wo der Spieler im ersten Teil eine Entscheidung treffen musste, wird der Spieler auch hier vor die Wahl gestellt. Eine sehr gute Idee!

Bioware hat sich sichtlich Mühe gegeben eine große und glaubhafte, fiktive Welt zu schaffen. Die Welt wurde bis in das kleinste Detail ausgearbeitet, wie man an dem schön gestalteten „Kodex“ sieht. Der Kodex bietet Hintergrundinformationen in Textform zu nahezu jedem Planeten, jeder vorkommenden Spezies, vorhandenen Technologien und Waffensystemen, den verschiedenen Raumschiffen und der Ausstattung von Raumschiffen. Werden innerhalb des Spieles neue Erkenntnisse erlangt erweitert sich der Kodex immer wieder um weitere Kapitel, damit sich der Spieler weitere Hintergrundinformationen besorgen kann. Besonders angenehm ist, dass man sich an dieser Stelle nicht durch hunderte Seiten reinen Text quälen muss. Der Großteil vom Kodex wird dem Spieler praktischerweise zusätzlich vorgelesen, so dass man sich im Hörbuch-Manier schön zurücklegen kann. Eine solche Komplexität ist bisher wohl nur aus den Star-Wars Filmen bekannt. An diese fühlt man sich beizeiten auch immer wieder erinnert. Denn Bioware hat in Mass Effect 2 viel Arbeit investiert um den verschiedenen Spezies Leben einzuhauchen und eine Hintergrundgeschichte zu verpassen. Keine Spezies ist einfach nur so da, zu jeder gibt es detaillierte Informationen! Der Spieler kann sich also, wie in einem guten Buch, komplett in einer anderen Welt verlieren.

 
In dieser Welt beginnt der Einstieg für den Spieler direkt bombastisch. Man befindet sich in einem Aufklärungsraumschiff unter feindlichem Feuer und muss das Schiff evakuieren. Überall kracht und brennt es um den Spieler herum. Während die Crew zum Großteil das Schiff noch verlassen kann, endet es für den Protagonisten schlechter. Er wird in den luftleeren Raum geschleudert und wird auf einen nahen Planeten gezogen wobei er, durch die hohen Temperaturen beim Eintritt in die Atmosphäre, stirbt. Mit Hilfe einer reichen Organisation und vielen technischen Mitteln und Implantaten wird der Commander innerhalb von zwei Jahren wieder ins Leben zurück geholt…

 Die Kulisse ist dabei absolut Erstklassig, wenn auch heutzutage leider nicht mehr vollkommen auf der Höhe der Zeit. Man bemerkt kaum einen Unterschied zu den anderen Versionen, obwohl in diesem Ableger bereits die Mass Effect 3 Engine Verwendung findet. Die Umgebungstexturen sind sehr scharf, die Effekte sehen super aus und passen an jeder Stelle gut ins Geschehen. Nichts wirkt überzogen. So explodiert es immer wieder um den Spieler herum, Rauchschwaden ziehen umher, Sandstürme behindern eine klare Sicht oder riesige Mechs stolzieren durch die Gegend. Besonders hervorheben muss man dabei die fotorealistischen Gesichter der Figuren. Diese wirken absolut realistisch und plastisch. Auch die verschiedensten Spezies aus dem Weltraum sind sehr liebevoll und mit vielen kleinen Details gestaltet worden. Dabei hat fast jede Spezies ihr eigenes Art-Design, so dass sie sich komplett von den Anderen unterscheidet. Hier hat Bioware die Messlatte für die Konkurrenz deutlich nach oben gelegt! Zu der authentischen Welt zählt neben der grafischen Gestaltung auch die Soundkulisse, wobei auch hier wieder die Synchronsprecher hervorzuheben sind. Die Gespräche – und davon gibt es in Mass Effect 2 eine große Menge – sind alle erstklassig mit professionellen Sprechern synchronisiert und mit vielen Emotionen aufgenommen wurden. Die Stimmen der verschiedenen Spezies passen allesamt und unterscheiden sich grundlegend. Leider kommt es gerade in den Zwischensequenzen immer wieder zu Problemen in der grafischen Darstellung. Dies fällt dahingehend auf, dass sich von jetzt auf gleich der Schattenwurf nachträglich hinzugefügt wird. Auch stellt man immer wieder im Spiel einen Einbruch der Framerate fest. Hier hätte Bioware noch ein wenig Feintunig betreiben sollen.

Wie eingangs erwähnt, muss der Spieler dem Grund für die verschwundenen Kolonisten aus den Randgebieten nachgehen. Dafür wird ihm durch eine reiche Organisation ein Raumschiff zur Verfügung gestellt, mit dem er sich quasi frei durch die Spielwelt bewegen kann. Anfangs besteht die Crew nur aus wenigen Mitgliedern, die im Laufe des Spiels aber erweitert wird. Die einzelnen Missionen werden dann immer zu dritt durchgeführt, der Spieler sucht sich aus seiner Crew also jeweils zwei Mitstreiter aus. Diese haben natürlich verschiedene Fähigkeiten, die optimalerweise aufeinander abgestimmt werden sollten. Der Spieler wählt so auch eingangs für seinen Charakter eine von sechs verschiedenen Charakterklassen, darunter Soldat, Infiltrator oder auch Techniker. Jede Klasse hat natürlich seine Vor- und Nachteile, diese sind jedoch nicht so stark ausgeprägt wie in einem reinrassigen Rollenspiel alá Dragon Age: Origins. So wird der Charakter in Mass Effect 2 nur in wenigen Bereichen weiter entwickelt, und dort auch nur in wenigen Stufen. Es ist z.B. möglich neue Munitionsarten zu verwenden um besonders effektiv gegen Panzerung oder Schilde vorgehen zu können. Auch die Mitstreiter können weiterentwickelt werden, wobei jeder Mitstreiter eine vorerst gesperrte Fähigkeit mitbringt, die erst ausgebildet werden kann, wenn dieser dem Commander gegenüber loyal eingestellt ist. Wer jetzt ein komplexes System von Beziehungen erwartet, wird allerdings enttäuscht. Den loyalen Status erhält der Spieler ganz einfach über eine einzelne personenbezogene Mission. Ist diese erfolgreich absolviert, ist der Charakter dem Spieler loyal gegenüber eingestellt und die Spezialfähigkeit kann eingesetzt werden.

Zudem muss man auch feststellen, dass die genaue Zusammenstellung der Gruppe nicht ausschlaggebend ist. Nahezu alle Missionen lassen sich mit jeder Gruppenzusammenstellung bewältigen, so dass es auf die einzelnen Fähigkeiten der Mitstreiter nicht unbedingt ankommt. Allerdings hat man bei einer ausgewogenen Zusammenstellung einer Gruppe mit verschiedenen Charakterklassen weitaus weniger Schwierigkeiten beim bewältigen einer Mission.

Nicht nur die Charaktere lassen sich entwickeln, sondern auch das Raumschiff. So lässt sich die Panzerung oder die Waffensysteme aufwerten. Dafür notwendig sind spezielle Rohstoffe, Element Zero, Palladium, Titan und Iridium. Diese Rohstoffe lassen sich auf Planeten abbauen. Das Raumschiff kann dabei frei durch die Spielwelt bewegt werden. Befindet man sich in der Nähe eines Planeten, kann man die Umlaufbahn anfliegen und den Planeten nach Rohstoffen absuchen. Dabei beweist Bioware wieder besonders viel Liebe zum Detail. Jeder Himmelskörper ist mit einem Informationstext ausgestattet, falls man sich genauer informieren möchte. Einen Bezug zur Hintergrundgeschichte bietet dieser Text allerdings nicht. 
Zurück zu der Suche nach Rohstoffen. Hat der Spieler eine Umlaufbahn angeflogen, muss der Planet gescannt werden. Das spielt sich folgendermaßen ab: Man drückt die rechte Maustaste und fährt den Platen zentimeterweise mit der Maus ab und beobachtet dabei den Ausschlag einer Anzeige. Wird ein Rohstoff gefunden, wird eine Sonde abgeschossen und der Rohstoff geerntet. Was anfangs noch nett wirkt, nervt mit der Zeit ungemein. Immer wieder müssen Planeten angeflogen und der immer wieder gleichen, nervigen Prozedur unterzogen werden. Spätestens nach dem 20. Planeten, hat auch der geduldigste Spieler die Nase voll davon. Und es müssen ein Vielfaches mehr als 20 Planeten untersucht werden! Da hilft es auch nicht weiter, dass bei einigen Planeten Anomalien entdeckt werden können, die gut gemachte Nebenmissionen bereithalten. Viel zu selten ist dies der Fall. Was sich Bioware bei dieser Rohstoffsammelei gedacht hat, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Zumal diese künstliche Streckung der Spielzeit absolut nicht notwendig erscheint, braucht doch ein normaler Spieler ca. 35-40 Stunden um das Spiel erfolgreich zu meistern. Weiterer Kritikpunkt ist, dass die Erweiterungen des Raumschiffes komplett unnütz erscheinen. So gibt es keine Weltraumkämpfe zu bestehen, die das Update der Bordkanone rechtfertigen würde. An dieser Stelle wurde sehr viel Potential verspielt.

Positiv hervorgehoben werden muss an dieser Stelle noch, dass jeglicher DLC-Content, der auf der Xbox 360 erschienen ist der Verkaufsversion der PlayStation 3 Fassung bereits beiliegt. Dies verlängert die mit ca. 30 Stunden bereits üppig bemessene Spielzeit noch einmal um einige Stunden.
Zusätzlich sind noch zwei Minispiele erwähnenswert, die in das Spiel integriert wurden um Datapads zu hacken oder verschlossene Türen zu öffnen. Bei einem Spiel handelt es sich um eine Art Memory. Verschiedene Symbole sind vorerst verdeckt und die Paare müssen innerhalb einer gewissen Zeitvorgabe verbunden werden. Im anderen Spiel müssen verschiedene Quellcode-Segmente in einem Wust von vielen Segmenten gefunden werden. Das Zielsegment wird dabei am oberen Ende des Bildschirms eingeblendet. Auch hier gilt eine Zeitvorgabe. Allerdings bieten beide Minispiele keine großartige Herausforderung und der Anspruch steigt auch nicht im Laufe des Spiels, so dass diese in einer Art Routine schnell gelöst werden können.
Bioware hat ansonsten sein Versprechen gehalten und bietet noch deutlich mehr Action- als Rollenspiel. Man kann seinen Mitstreitern verschiedene Anweisungen geben wohin sie sich bewegen sollen. Zudem wird auf Tastendruck das Spiel pausiert wodurch die Spezialfähigkeiten der drei Charaktere in Ruhe eingesetzt werden können. In verschiedenen Bosskämpfen ist es sehr wohl notwendig das Spiel zu pausieren und die unterschiedlichen Kräfte gezielt einzusetzen. Durch die Pausenfunktion sind die meisten Kämpfe allerdings auch ziemlich einfach zu bestehen, da die Hektik aus den Situationen genommen wird und man sich jederzeit einen Überblick über die Lage verschaffen kann.

 

 

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