Leviathan: Warships

9403f8acfe91f426e089b37876a3b66bAuf den ersten Blick sieht es so aus, als würde das schwedische Duo Pieces Interactive (Entwickler) und Paradox Interactive (Publisher) mit Leviathan: Warships die Fühler in Richtung Gelegenheitsspieler (Casual Games) ausstrecken. Wir haben uns angeschaut, ob der für PC; Mac, Android und iOS erhältliche Titel diesem ersten Eindruck gerecht wird.

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In der Tat weist Leviathan: Warships bei oberflächlicher Betrachtung eine ganze Reihe von Eigenschaften auf, die einem Gelegenheitsspiel à la Tower Defence durchaus gerecht würden: Bonbon-bunte, aber einfache Grafik, einfache und überschaubare Regeln, im unteren Preissegment angesiedelt. Unter der Haube werkelt jedoch eine klassische Strategieengine.Leviathan: Warships bedient sich einer rundenbasierten Spielmechanik mit simultaner Zugausführung (ein sogenanntes WEGO System). Hierbei planen und erteilen alle beteiligten Spieler in der Planungsphase ihre Befehle, die dann in der Ausführungsphase umgesetzt werden. Die besondere Herausforderung dieser Spielmechanik ist das Vorausahnen der gegnerischen Aktionen und Bewegungen, denn anders als bei der weiter verbreiteten Rundenstrategie mit alternierender Zugauflösung (IGO-UGO System) bleiben die gegnerischen Einheiten während der Befehlsausführung nicht passiv, sondern führen selbst Befehle aus. So kann es oft geschehen, dass Salven, die eigentlich ein gegnerisches Schlachtschiff treffen sollten, wirkungslos ins Meer platschen, da sich selbiges inzwischen an einem anderen Ort befindet. Die Dauer der Planungsphase ist im Einzelspielermodus unbegrenzt, beim Einrichten von Mehrspielerpartien kann man zwischen verschiedenen vorgegebenen Zeitdauern wählen. Die Dauer der Ausführungsphase beträgt immer zehn Sekunden.

Für Einzelspieler bietet Leviathan: Warships eine kurze Tutorial-Kampagne, in der einige Grundlagen des Spiels erklärt werden, und die Kampagne “The Arctic Serpents” Letztere enthält neun Szenarien die durch eine lose Rahmenhandlung, die nicht sonderlich ausgefeilt wirkt, miteinander verbunden sind. Da die Leistungen des Spielers in einem Szenario keinen Einfluss auf die folgenden Szenarien haben und zu Szenariobeginn auch immer frische Einheiten aufgestellt werden, kann hier kein wirkliches Feldzuggefühl aufkommen. Insbesondere hängt der Erfolg in einem Szenario nicht von der Höhe der eigenen Verluste ab, d.h. es ist unwichtig, ob man seine Flotte komplett durch das Szenario bringt, oder nur knapp in einem Paddelboot überlebt.
Da in der Kampagne die verfügbaren Waffentypen erst nach und nach freigeschaltet werden, ändert sich das Spielerlebnis mit der Zeit. Die ersten Waffen (automatische Geschütze und Laser) verfolgen ihre Ziele selbständig, d.h. entweder wählen sie selbst ein Ziel in Reichweite aus, oder sie verfolgen ein ihnen zugewiesenes Ziel. Mit diesen Waffentypen ist es nicht möglich, Zonen unter Beschuss zu nehmen, in denen man das Auftauchen des Gegners im nächsten Zug vermutet. Daher beschränkt sich die Tätigkeit des Spielers in den ersten Missionen auf das geschickte Manövrieren der Schiffe, um dem Gegner immer eine schussbereite Seite des Schiffes zu präsentieren. Sobald man über Raketen und Artillerie verfügt, wird das Zielen deutlich anspruchsvoller, denn nun muss man wirklich erahnen, an welcher Stelle sich ein Ziel während des kommenden Zuges befindet, um Treffer landen zu können. Ein nettes Detail ist der Umstand, dass die eigenen Einheiten nicht davor gefeit sind, sich gegenseitig unter Beschuss zu nehmen (friendly fire) oder auf selbst verlegte Minen zu laufen.

Für Mehrspielerpartien gibt es zunächst die Option, den eben erwähnten Feldzug mit bis zu vier Spielern kooperativ zu bestreiten. Darüber hinaus gibt es noch den Punktemodus und den Assassination-Modus. Im Punktemodus gewinnt das Team, das dem Gegner als erstes eine bestimmte Summe an Schadenpunkte zugefügt hat. Im Assassinationmodus verfügt jeder Spieler über ein Flaggschiff und die Seite, deren Flaggschiffe zuerst versenkt wurden, verliert. Da es sich schwerpunktmäßig um ein Multiplayer-Spiel handelt, steht und fällt das Spielerlebnis natürlich mit der verfügbaren Anzahl potentieller Gegner. In diesem Punkt ist leider etwas Skepsis angebracht, da sich schon vier Wochen nach der Veröffentlichung des Spiels an einem durchschnittlichen Sonntagabend insgesamt nur knapp 100 Spieler auf den fünf verfügbaren Servern tummeln.
Ein wichtiger Bestandteil des Spiels ist die Werft (Ship Yard), in der man die eigene Flotte modifizieren und ausrüsten kann. Hier lassen sich verschiedene Schiffstypen unter Verwendung verschiedener Panzerungs- und Bewaffnungsoptionen an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Panzerungen erhöhen die Widerstandskraft der Schiffe, schränken aber im Gegenzug Beweglichkeit und Geschwindigkeit ein. Die Bewaffnung unterteilt sich in defensive und offensive Waffenoptionen. Zu den defensiven Waffenoptionen gehören beispielsweise Schildgeneratoren, Nebelwerfer, Minen oder auch Täuschkörper. Offensiv kann man seine Schiffe unter anderem mit Lasern, automatischen Geschützen unterschiedlicher Reichweite, Railguns oder Raketen ausrüsten. Jede Ausrüstungsoption hat einen bestimmten Platzbedarf und kann daher nicht auf jedem Schiff oder an jeder beliebigen Stelle eines Schiffes positioniert werden. Abgesehen von dieser Einschränkung können die Waffen jedoch beliebig platziert werden. So ist es beispielsweise möglich, sämtliche Geschütze auf einer Seite des Schiffs zu installieren und damit über eine eindrucksvolle Breitseite verfügen zu können (im Gegenzug aber die entblößte Rückseite schützen zu müssen).

Alle Waffen verfügen über eine Mindest- und eine Maximalreichweite und können nur einen bestimmten Schusswinkel abdecken, so dass es mitunter recht kniffelig sein kann, ein Schiff so auszurüsten, dass es sich sowohl im Nah- als auch im Fernbereich angemessen verteidigen kann. In den meisten Fällen wird es sich jedoch als förderlich erweisen, Nah- und Fernbereichsaufgaben (wie in der Realität) auf unterschiedliche Schiffe der eigenen Flotte zu verteilen. Bereits erstellte Baupläne lassen sich speichern und später erneut verwenden. Darüber hinaus werden bereits einige Baupläne mit dem Spiel geliefert.

Ein zweiter limitierender Faktor bei der Schiffsausrüstung ist eine Punkteobergrenze, der jede Flotte unterliegt. Jeder Schiffstyp und jede Bewaffnung kosten eine bestimmte Anzahl von Punkten, deren Gesamtzahl unterhalb des Flottenlimits bleiben muss. Dabei man kann entsprechend der eigenen Vorlieben und den Herausforderungen des jeweiligen Szenarios bei gleichem Punktelimit sowohl Flotten mit mehreren kleineren Schiffen, als auch Flotten mit nur wenigen Dickschiffen aufstellen. Das maximale Limit von 8000 Punkten pro Partei ist bei kooperativen Missionen mit mehr als zwei Spielern eher knapp bemessen. Laut Aussage der Entwickler lässt sich diese Obergrenze jedoch aus Rücksicht auf die mobilen Plattformen (Android, iOS) nicht weiter nach oben verschieben.
Auch für die Flottenzusammenstellungen besteht die Möglichkeit, eigene Baupläne abzuspeichern.
Die Grafik von Leviathan: Warships ist einfach gehalten, aber dem Spiel vollkommen angemessen. Die Bedienung ist anfangs etwas hakelig, mit zunehmender Spielpraxis erscheint sie jedoch zweckmäßig.
Eine besonders von den Entwicklern hervorgehobene Eigenschaft ist die Cross-Plattform Fähigkeit von Leviathan: Warships. Das Spiel ist für PC, Mac, iOS und Android erhältlich und Spieler können unabhängig von der verwendeten Version online gegeneinander antreten. Des Weiteren können Spieler, die das Spiel auf mehr als einer Plattform besitzen, sämtliche mit ihrem Account verbundenen Partien auf allen ihren Geräten fortsetzen. Hierfür muss jedoch für jede Plattform eine gesonderte Version des Spiels gekauft werden. Während dies einigermaßen nachvollziehbar ist, sorgt jedoch die Tatsache, dass auch die DLCs für jede Plattform einzeln erworben müssen, eher für Unverständnis.

Leviathan: Warships wird ausschließlich über Steam vertrieben; DLCs können nur über den im Spiel enthaltenen Shop erworben werden. Für einige Verstimmung in der Spielergemeinde sorgte, dass die direkt zur Veröffentlichung erhältlichen DLCs mit zusätzlichen Schiffen sehr schlecht ausbalanciert sind.. Mehrspielerpartien sind ohne diese zusätzlichen Schiffe kaum noch zu gewinnen, so dass sich die eigentlich optionalen Packs inzwischen als notwendig betrachtet werden müssen. Die Entwickler haben diesen Umstand inzwischen eingeräumt (Quelle).
Mit 9,99 Euro (4,99 Euro für Tablets) ist der Preis eigentlich angemessen. Diese Einschätzung gilt aber nur unter Vernachlässigung der Tatsache, dass für die Konkurrenzfähigkeit im Mehrspielermodus die beiden Schiff-Pack-DLCs auch erworben werden müssen und dass die Nutzung einer Kerneigenschaft des Spiels, der Cross-Plattform-Fähigkeit, für jede Plattform eine eigene Version des Spiels erfordert und auch DLCs erneut erworben werden müssen. Bezieht man diesen Umstand mit ein, kann man Leviathan: Warships nicht mehr als preiswert bezeichnen.

 

 

 

Systemvoraussetzungen

  • PC:
  • OS: XP/Vista/Windows 7
  • Prozessor: Intel® Pentium® IV 2.4 GHz oder AMD 3500+
  • RAM: 2 GB
  • Hard Disk: 800 MB
  • Grafikkarte: NVIDIA® GeForce 8800 oder ATI Radeon® X1900, 512MB Grafikkarte notwendig
  • DirectX®: 9.0c
  • Mac:
  • OS: Mac OS X 10.6.8 oder später
  • Prozessor: Intel Core Duo Prozessor (2GHz oder besser)
  • RAM: 2 GB
  • Hard Disk: 800 MB
  • Grafikkarte: ATI Radeon HD 6750 / NVIDIA GeForce 320 / NVIDIA GeForce 9600 oder höher

 

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