Panzer Corps: Allied Corps

4fdffd67d1f8641eb014b2732d91681eNach „Panzer Corps“ und „Afrika Corps“ kommt es, wie es kommen muss: Mit „Allied Corps“ startet das Publisher-Gespann Slitherine/Matrix Games den dritten Teil der überaus erfolgreichen Reihe. Wir wollen sehen, ob es sich auch diesmal um einen würdigen Nachfolger des Kult-Klassikers „Panzer General“ handelt.

usk_18

 

Die ganze Konstellation ist dem Strategie-Veteranen durchaus bekannt, gab es doch zum eben genannten legendären Vorbild seinerzeit ein Sequel namens „Allied General“. – Kurzum: „Allied Corps“ (AC) ist das neue „Allied General“. Im Klartext bedeutet dies, dass wir nun nicht mehr die Truppen der Wehrmacht zum Erfolg führen, sondern vielmehr die Rolle der westlichen Alliierten Großbritannien und USA übernehmen, um das Deutsche Reich in seine Schranken zu weisen.

Natürlich erwartet den Spieler auch diesmal ein umfangreicher Feldzug. Dessen Aufbau sieht grob gesprochen folgendermaßen aus: Zunächst beginnt man mit den Briten in Nordafrika und drängt den Wüstenfuchs Rommel samt seinen italienischen Verbündeten bis nach Tunesien zurück, wobei im Laufe der Zeit auch amerikanische Einheiten zur Verfügung stehen. Die ersten Szenarien der Nordafrika-Kampagne sind übrigens als Tutorial anzusehen. Der Einstieg ist daher hinsichtlich seines Schwierigkeitsgrades moderat. So bekommt man es anfangs mit relativ leichten Gegnern wie etwa schwachen italienischen Panzereinheiten zu tun. Deutlich anspruchsvoller wird es spätestens, wenn man in den Missionen überwiegend gut gerüsteten deutschen Truppen gegenübersteht.

Haben wir in Afrika unser Kriegshandwerk zur Zufriedenheit des Oberkommandos ausgeübt, geht es mit britischen und amerikanischen Verbänden zuerst nach Sizilien, dann auf das italienische Festland. Später stehen neben der Landung in der Normandie noch weitere berühmte Schlachtfelder wie Arnheim oder die Ardennen auf dem Programm. Sind wir entsprechend erfolgreich, dürfen wir schließlich den Rhein überschreiten und in das Herz des Reichs vordringen.

Das Feldzugspiel umfasst dreißig Szenarien. Von letzteren bekommt man allerdings im Rahmen eines einzelnen Durchgangs nicht alle zu Gesicht. Denn zum einen kann es passieren, dass für uns aufgrund einer schmählichen Niederlage der Spaß frühzeitig zu Ende ist. Auf der anderen Seite aber bietet die Struktur der Kampagne gelegentlich die Möglichkeit, zwischen alternativen Schauplätzen zu wählen. So darf man, falls man die Weltgeschichte umschreibt und die Operation „Market Garden“ mit einem triumphalen Sieg absolviert, anschließend darüber entscheiden, ob man in die Ardennen-Schlacht ziehen oder lieber eine Produktionsstätte der berüchtigten V-Raketen erobern will. Da diese Entscheidung jeweils zu einer anderen Verzweigung des Kampagnenbaums führt, lässt sich der Gesamtfeldzug auf zwei unterschiedliche Weisen beenden. Eine der Varianten führt sogar zu einem fiktiven „Was wäre wenn“-Gefecht zwischen den westlichen Alliierten einerseits und der sowjetischen Roten Armee andererseits.

Jede Mission der Kampagne ist für das kleine Spielchen zwischendurch ebenso als Einzelszenario auswählbar, wobei man sich dann auch auf Seiten der Achsenmächte ins Getümmel werfen darf. Darüber hinaus bietet AC einen Multiplayer-Modus, der serverbasierte PBEM-Partien erlaubt, sowie schließlich noch einen Editor für passionierte Szenario-Designer.

Ein großer Fortschritt gegenüber „Panzer Corps“ sind meines Erachtens die deutlich abwechslungsreicheren Missionsziele. Hier haben die Entwickler einiges an Einfallsreichtum investiert. Lautete beim Vorgänger die Parole noch stets und monoton, bestimmte Siegziele einzunehmen, so kann in AC der Auftrag schon einmal darin bestehen, sich rechtzeitig auf vorbereitete Verteidigungspositionen zurückfallen zu lassen, Nachschubtransporte zu eskortieren oder feindliche Pak-Stellungen auszuräuchern. Für Liebhaber der Serie ist diese Variabilität allerdings nicht unbedingt neu, handelt es sich doch um ein Feature, das bereits mit den für „Panzer Corps“ erhältlichen DLC-Erweiterungen eingeführt wurde.

Am bewährten rundenbasierten Spielprinzip hat sich rein gar nichts geändert: Wir beginnen unseren Feldzug mit einer kleinen Kernarmee, die wir im Laufe der Zeit um neue Einheiten erweitern und durch Upgrades kontinuierlich verbessern. Zu diesem Zwecke benötigen wir Prestigepunkte, welche uns durch gewonnene Missionen, das Einnehmen von Siegzielen und das Zerstören feindlicher Einheiten zufließen. Ebenfalls aus „Panzer Corps“ bekannt ist der Umstand, dass Einheiten, die sich im Kampf bewähren und Erfahrung sammeln, bis zu drei individuelle Helden erhalten können, was im Kampf unterschiedliche Boni mit sich bringt. Unverändert ist auch die Präsentation, die mit detaillierten Einheiten-Grafiken, eindringlichen Soundeffekten und hübschen Gefechtsanimationen aufwartet.

Beim genaueren Hinsehen sind allerdings kleine, aber feine Änderungen feststellbar. Besonders gefällt mir, dass es mit dem in AC bereits implementierten Patch auf die Version 1.20 nun möglich ist, ein Replay des laufenden Szenarios zu speichern. Auf diese Weise kann ich mir später den Spielverlauf noch einmal zu Gemüte führen und nach Belieben analysieren. Darüber hinaus wurde das eigentliche Gameplay um neue Regeln erweitert. So haben beispielsweise Einheiten, die Verluste hinnehmen mussten, nach dem Wiederherstellen der Stärkepunkte zunächst einen geringeren Bereitschaftsgrad. Zudem gibt es nun ein Set von Optionen, mittels derer sich das Spiel persönlichen Vorlieben anpassen lässt. Hier darf man sogar den in die Gefechtsberechnung einfließenden Zufallsfaktor justieren oder auch ganz ausschalten.

Neu sind natürlich auch etliche Einheiten, vornehmlich auf britischer und amerikanischer Seite. So sind nun – um nur ein auffälliges Exempel zu nennen – Räumpanzer verfügbar, die in der Lage sind, feindliche Minenfelder zu neutralisieren. Überhaupt ist die Palette der im Spiel einsetzbaren Waffensysteme erstaunlich breit, wobei insbesondere bei den Flugzeugen und gepanzerten Fahrzeugen die meisten Modelle historisch korrekt gleich in verschiedenen Ausführungen angeboten werden. Auf welche dieser Ausführungen ich jeweils zugreifen kann, ist vom historischen Datum abhängig. Auf diese Weise berücksichtigt das Upgrade-System die im Kriegsverlauf stattfindende technische Entwicklung.

Erwähnenswert ist schließlich noch die gegenüber „Panzer Corps“ erweiterte Bibliothek. Hier kann man sich nicht nur eine Übersicht über alle bisher im Rahmen der Reihe erschienenen Feldzugspiele verschaffen, sondern auch die technischen Daten der wichtigsten Waffensysteme sämtlicher Großmächte einschließlich der Sowjets einsehen. – Apropos Sowjets: Ich finde es ein wenig bedauerlich, dass AC im Gegensatz zum guten alten „Allied General“ keine russische Kampagne im Gepäck hat. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Mangel durch einen DLC oder gar einen weiteren Standalone-Titel behoben wird.

Kommen wir zum Schluss: Für „Panzer Corps“-Veteranen bietet AC durchaus spannende Herausforderungen. Bei entsprechenden Einstellungen ist der nach leichtem Beginn spürbar ansteigende Schwierigkeitsgrad meiner Ansicht nach nicht zu verachten. Schon die Startaufstellung der eigenen Truppen will in der Regel gut überlegt sein, denn gerade in den späten Missionen gilt es meist, unter Zeitdruck und angesichts einer Vielzahl von Siegzielen den optimalen „Fahrplan“ zum Erfolg auszuknobeln. Dank des eingängigen Spielprinzips und der schnörkellosen Steuerung ist AC aber ebenso für Neueinsteiger und alle Liebhaber klassischer Rundenstrategie bestens geeignet.

 

Systemvoraussetzungen

  • Windows XP/Vista/7
  • Pentium 4 oder vergleichbar
  • 1 GB RAM/2 GB RAM (Vista,7)
  • 64 MB-Grafikkarte
  • 100 MB freier Festplattenspeicher

 

192 total views, 2 views today

Print Friendly, PDF & Email

Post Author: Admin

Schreibe einen Kommentar