Command Modern Air/Naval Operations

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“Und die See wird allen neue Hoffnung geben, so wie der Schlaf die Träume bringt daheim.”sagte einst Christoph Columbus. Tom Clancy zitiert diese Satz in seinem bekanntesten Werk: Jagd auf Roter Oktober. Seit dem 24. September gibt es einen Nachfolger für das weithin bekannte Harpoon – Command Modern Air/Naval Operations (CMANO) tritt an dessen Stelle. Knapp eine Woche später starb Tom Clancy. Wer in Clancys Fußstapfen treten wird, ist hingegen völlig offen.

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J.A.G., NCIS, Jagd auf Roter Oktober, Im Sturm und viele andere Serien, Filme und Bücher greifen häufiger auf die Darstellung von militärischen Operationen mit chirurgischer Präzision zurück. Wie im Fall von Im Sturm (Originaltitel: Red Storm Rising) beschreiben sie sogar ein heißes Szenario des Kalten Krieges. Oftmals laufen im Hintergrund Planungen für den gezielten Angriff mit Marschflugkörpern, das Absetzen von Spezialkräften oder andere Einsätze. In vielen Fällen werden diese Planungen Teil der Filmhandlung. Mit CMANO kann man in diese Welt eintauchen und selbst das Kommando übernehmen. Hier steuert man nicht jedes einzelne Fahrzeug bis ins Detail; bis zu jeder kleinen Handlung. Hier geht es um große Strategie – die Ausarbeitung von komplexen Operationen zur See und in der Luft. Das Spektrum reicht vom U-Booteinsatz über den Angriff mit Schnellbooten und kleineren Einheiten bis hin zur Trägergruppe mit den wohl größten Kriegsschiffen der Ära des kalten Krieges. Hierzu enthält CMANO etliche Szenarien, die vom Koreakrieg der 50er Jahre bis zu Einsätzen im ersten Drittel des 21. Jahrhunderts reichen. Der Großteil dieser Kampagnen basiert auf realen Bedrohungsszenarien, die während des Kalten Krieges stattfanden (Korea, Vietnam, Golfkrieg, Falklandkrieg u.ä.) oder kurz davor standen Wirklichkeit zu werden (Ost-Westkonflikt im Nordatlantik, im Pazifik oder im Persischen Golf). Auch die Zeit seit 1990 ist mit realen bzw. leicht vorstellbaren Konfliktsituationen abgedeckt (Golfkrieg II, China vs. USA, Argentinien vs. UK u.ä.).

Nachdem man „Start New Game“ im Startmenü gewählt und sich für ein Szenario entschieden hat, fällt zunächst die Hauptkarte ins Auge: jeder der Google Earth nutzt, wird sich direkt vertraut fühlen. Der Satellitenbildcharakter versetzt den Spieler sofort ins Geschehen noch bevor die ersten Einheiten überhaupt auf der „Karte“ erscheinen. Hierbei ist ein guter Kompromiss gefunden worden zwischen Detailgrad und Übersichtlichkeit. Die Satellitenkarte dient nur der grafischen Darstellung von Land und Gewässern und ist nicht sehr weit zoombar. D.h. der Maßstab ist natürlich bis auf kurze Distanz änderbar, die Auflösung der Satellitenbilder geht jedoch nicht so weit. Neben dem Erhalt der Übersicht begrenzt die eingeschränkte Auflösung sicher auch das Datenvolumen der Grafikdateien auf ein praktikables Maß. Zudem sind im Detailausschnitt die korrekte Darstellung der Einheiten und die deutliche Erkennbarkeit dieser höher zu bewerten als ein möglichst objektgenauer Ausschnitt aus dem Straßengewirr von Kerbala. Nicht zuletzt sorgt bereits in der vorliegenden Auflösung die Bewegung auf dem Kartenbildschirm ohne Verwendung einer SSD häufiger für leichte Ruckler.

Zunächst sei an dieser Stelle jedem Einsteiger das Tutorial empfohlen. Dieses gliedert sich in drei Blöcke: Grundlagentrainings für Luftoperationen, See- und Unterseegefechte. Um die Detailtreue von CMANO vorzustellen möchten wir hier kurz das U-Boottutorial vorstellen: zunächst gilt es mit SSN 774 North Carolina, einem Jagd-U-Boot der Virginiaklasse ein chinesisches U-Boot zu finden und zu zerstören. Gleich danach widmen wir unsere Aufmerksamkeit in einem weiteren Planquadrat einem chinesischen Zerstörer. Alles noch einfach? Das dachten wir bis hierher auch. Im nächsten Gebiet erhalten wir mit der dritten Aufgabe einen kleinen Vorgeschmack auf moderne U-Jagdtechniken: Neben dem Zerstörer nervt ein Hubschrauber mit Sonarbojen und der Möglichkeit diverse U-Abwehrmaßnahmen einzuleiten. Alte Hasen werden auch jetzt noch denken, dass das alles noch wenig Action ist – stimmt. Der abschließende Start eines Tomahawk-Marschflugkörpers zur Zerstörung eines an Land befindlichen Objektes ist dann wirklich „Routine“.

Man möge sich vor Augen führen, dass diese Kleinigkeiten in einem komplexen Szenario nur ein kleine Puzzlestückchen in einem gewaltigen Operationsplan sind. Womit wir auch schon bei einem weiteren wichtigen Punkt sind: wie bereits oben erwähnt dirigiert man die Einheiten nicht permanent sondern vergibt Aufträge. Während des U-Boottutorials haben wir nicht etwa jeden Befehl einzeln gegeben – wir haben Missionen erstellt. Der USS North Carolina wurde befohlen sich mit abgeschaltetem Sonar in einen definierten Raum zu begeben und dort eine U-Jagdpatrouille zu starten. Sobald das chinesische U-Boot aufgeklärt wurde, wurde es nach der Einstufung als feindliche Einheit selbsttätig bis zur Vernichtung bekämpft. Ebenso machte die North Carolina den Zerstörer im zweiten Gebiet ohne weiteres Zutun aufgrund der Mission kampfunfähig. Neben dem Prozess der Befehlsgebung bietet CMANO die Möglichkeit, die Zeit zu stoppen. D.h. alle Befehle können vorbereitet und erteilt werden (Missionen erstellen, Parameter definieren, Einheiten zuteilen) und mit der Aktivierung des Zeitfortlaufes beginnt die Ausführung. Mit dem Luftkriegstutorial erhält man dann einen weiteren Einblick in den Tiefgang des Spiels: 40 von 72 Flugzeugen erwarten ihre Einsatzbefehle. Neben F-14 Tomcats finden sich A7E Corsair II zum Bodeneinsatz, A6E Intruder zur Zerstörung gegnerischer Radarstellungen, KA6D Intruder zur elektronischen Kriegführung, E2C Hawkeyes zur Luftüberwachung und EA6B Prowler zur Betankung. Mit diesen Kräften gilt es zunächst die Luftherrschaft zu sichern, die bodengestützte Luftabwehr auszuschalten, mehrere Flugzeugbunker zu zerstören und daneben natürlich jegliche Gefährdung der eigenen Kräfte zu minimieren. Erfreulicherweise werden dem Spieler mit detaillierten Handlungsanweisungen sämtliche Funktionen näher gebracht. Aufgrund des übersichtlichen Interfaces gehen alle Aktionen gut von der Hand – natürlich muss man sich immer wieder vergewissern, dass man keine Details übersehen hat. Für alle, die es extrem detailliert mögen, können Kurs und Geschwindigkeit, Waffenauswahl und sogar die Anzahl der abzugebenden Projektile haargenau bestimmt werden.

Besonders hilfreich für erste Erfolge in den Szenarios ist sicherlich ein gewisses Grundverständnis für die Prinzipien der Seekriegsführung. Mehr als einmal haben wir Einheiten aus dem Spiel im Internet recherchiert um einen gewissen Eindruck über deren Möglichkeiten zu erhalten. Gerade die Informationen aus der Datenbank drängen den interessierten Spieler förmlich dazu sich mit Hintergrundinformationen zu diversen Geräten und Ausrüstungsgegenständen zu versorgen.
Die eben erwähnten zahlreichen Einheiten bringen uns zu einem Glanzstück von CMANO.Die wahrlich umfangreiche Datenbank zu allen möglichen Luft- und Seefahrzeugen überzeugt auf den ersten Blick. Hierbei werden sogar die über etliche Jahre hinweg eingebrachten Neuerungen aufgegriffen und abgebildet. Leider wurde in der Releaseversion auf die Implementierung von Bildmaterial verzichtet, doch sehr schnell war und ist an dieser Stelle die Community aktiv. Engagierte Anhänger von Harpoon und damit auch CMANO als dessen Nachfolger sind im Begriff, diese Lücke zu schließen und haben mit großem Fleiß begonnen Bildmaterial in die Datenbank einzufügen und diese als Mod anderen Spielern zur Verfügung zu stellen. Auch wir haben freudig zugegriffen und unsere Datenbank um eine Vielzahl von Bildern bereichert. (! Alle Abbildungen der Datenbank mit Bildern der jeweiligen Luftfahrzeuge zeigen eine modifizierte Version des Spiels!) Das Hinzufügen der Abbildungen ist kinderleicht – was für die Modfreundlichkeit von CMANO spricht.
Bei der Erstellung von Szenarien ist die Community ebenfalls sehr aktiv – auch dies ist so gewollt, davon wird das Spiel leben und sich über lange Zeit in der einschlägigen Szene einen Namen machen. Dennoch hat das Spiel hier einige Schattenseiten. Bereits mehrfach wurde von Spielern geäußert, dass es wünschenswert wäre, mehr Informationen zur Erstellung gerade der Operationsverbände zu erhalten. Sicherlich ist es reizvoll in den Weiten des Internets nach Informationen zur Zusammensetzung eines amerikanischen Trägerverbands der frühen 1980er Jahre zu suchen. Leider sind für manche Nationen solche Informationen nahezu unmöglich zu beschaffen. Zudem wäre es gewinnbringend zu wissen, wieviele Einheiten eines Typs bei den Streitkräften eines Landes überhaupt (zeitgleich/generell) vorhanden waren. Ein letzter Schritt, der jedoch in jedem Fall die Datenbank sprengen würde, wären Einträge für jede Einheit mit deren genauen Namen. Als Beispiel sei hier die Fregattenklasse F 122 genannt. Das Typschiff ist die BREMEN (F 207), nach der die Klasse benannt ist. Daneben gibt es 7 weitere Schiffe dieser Klasse; unter anderem das nach Angaben von ehemaligen und aktiven Mitgliedern der Besatzung beste Schiff der deutschen Marine: die KARLSRUHE (F 212).
Genug von realen Details und zurück zur virtuellen Welt von CMANO: Command Modern Air/NavalOperations ist ohne jeden Zweifel ein Strategiespiel der Extraklasse. Das aufpolierte Interface und die Verwendung der an Google Earth angelehnten Karte erschaffen eine hervorragende Atmosphäre. Auch die KI agiert wesentlich fordernder als zu Zeiten des Vorgängers Harpoon. Die Verbesserung der KI ist aber auch wünschenswert, gerade da die Veröffentlichung von Harpoon bereits mehr als eine Dekade zurückliegt und mehr als eine Schönheitskur für das Interface hier nicht ausreichend gewesen wäre. Insbesondere bei der Erstellung der Missionen ist auf Gründlichkeit und Präzision zu achten. Wer hier versehentlich die falsche Einstellung für Radar/Sonar oder elektronische Kriegsführung wählt oder die Kräfte nach und nach verheizt statt zu klotzen, bei dem lässt die KI keine Gnade walten. Der Grad der Realität geht sogar so weit, dass selbst ehemalige U-Boot-Fahrer, die lange Jahre reale Übungen und Operationen erlebt haben, zugeben, dass CMANO so real wirkt wie wenige andere Simulationen.
Die Entwicklungszeit von nahezu 15 Jahren hat sich gelohnt. In einem Interview beschreiben die vier Entwickler, dass sie mit ersten Recherchen kurz vor der Jahrtausenwende begannen und 2008 mit „Project RedPill“ die Vorversion zu CMANO entstand. In diesem Interview bestätigten die Entwickler, dass aufgrund der umfangreichen Szenarios teilweise extreme Anforderungen an die Hardware gestellt werden. Kein Wunder bei bis zu 1200 simulierten Einheiten. Aufgrund ihrer Herkunft aus der Fangemeinde von Harpoon wissen die Vier um die Zustände der Community, die Rechnerausstattung und die Ansprüche und machen deutlich, dass sie bestrebt sind, CMANO wirklich zu DEM Spiel zu machen, was Harpoon hätte sein können.
Für uns stellt sich CMANO als die aktuelle Krone der komplexen See- und Luftkriegssimulationen dar. Mit diesem Programm erahnt der Spieler, wie komplex die Kriegsführung inzwischen geworden ist und welche Herausforderung die Koordination unterschiedlichster Einheiten im Gefecht der verbundenen Waffen darstellt. Obwohl CMANO bereits eine Vielzahl von Szenarios enthält und damit den Spieler sicher eine enorme Zeit fordern wird, freuen wir uns auf die sicher rasch auftauchenden Szenarios der Community. Welche Konflikte diese abdecken werden, interessiert uns heute schon brennend. Da das gesamte Entwicklerteam u.a. durch Tom Clancys Romane motiviert wurden nahezu 20 Jahre für CMANO zu arbeiten, gehen wir davon aus, dass sie auch künftig an diesem kleinen Juwel feilen werden um es noch weiter zu veredeln. Viele Spieler waren bei der Nachricht vom Erscheinen von CMANO schon dabei alles aus der Hand fallen zu lassen und haben sich am 24. September direkt darauf gestürzt. Schnell war man sich mit breiter Zustimmung einig, dass ein würdiger Nachfolger für Harpoon entstanden ist, dem wir viele Fans und alles Gute wünschen.  
 
 

 

Systemvoraussetzungen

  • Win XP SP3, Vista, 7, 8
  • CPU 1GHz Dual Core Pentium oder höher
  • RAM 1GB (2+GB empfohlen)
  • Grafikkarte mit 16 MB RAM
  • HDD 10GB

 

 

 

 

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Post Author: Admin

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