Pandora: First Contact

a024d6a6b1ca7f81838d6198ddd82c82

Das Publisher-Gespann Slitherine/Matrix Games hat bekanntlich auch ein Herz für Weltraum-Strategiespiele. Nachdem es in dieser Hinsicht längere Zeit eher ruhig zuging, werden nun die Fans des Genres endlich wieder mit einem vielversprechenden Titel bedient. Die Rede ist von „Pandora: First Contact“.

usk_12

Wir befinden uns im frühen 22. Jahrhundert. Während die gute alte Erde dahinsiecht und unter Ausbeutung und Überbevölkerung leidet, haben die Raumschiffe verschiedener menschlicher Fraktionen den fernen Planeten Pandora erreicht. Alle Gruppierungen haben das gleiche Ziel vor Augen: diese bewohnbare und vor Ressourcen strotzende Welt zu besiedeln und sich ihre Reichtümer dienstbar zu machen. In dieser Ausgangssituation fällt dem Spieler die Aufgabe zu, die Führung einer Partei zu übernehmen und letzterer zum Triumph über alle unliebsamen Konkurrenten zu verhelfen.

Dass uns neben dieser Hintergrundgeschichte ebenso der generelle Spielverlauf irgendwie vertraut erscheint, ist nicht unbedingt verwunderlich. Denn „Pandora: First Contact“ orientiert sich offensichtlich an Sid Meiers Klassiker „Alpha Centauri“, der bereits in den Neunzigerjahren die zündende Spielidee von „Civilization“ in ein Science Fiction-Sujet verpflanzte. Dabei verfolgt „Pandora“ – auch hierin dem großen Vorbild treu – ganz klar das allseits bekannte 4X-Prinzip, dessen Motto „erkunden, expandieren, ausbeuten und vernichten“ lautet.

Im Klartext bedeutet dies: Wir beginnen jede Partie irgendwo in den fremden Gefilden Pandoras, suchen uns dort ein gemütliches Plätzchen und gründen mit Hilfe eines Koloniefahrzeugs unsere erste Siedlung. Darüber hinaus verfügen wir in der Regel lediglich über einen Trupp einfacher Infanterie, den wir zur Erkundung ausschicken, um weitere Teile der im Kriegsnebel liegenden Hexfeldkarte zu enthüllen. Da auf bloßem Ödland weder Wachstum noch Produktion möglich sind, gilt es bei der Standortwahl vor allem zu beachten, dass in unmittelbarer Nähe der neuen Stadt sowohl Bodenschätze als auch landwirtschaftlich nutzbare Flächen unbedingt vorhanden sein sollten.
Die Stadtbevölkerung lässt sich auf verschiedene Tätigkeitsbereiche verteilen und wahlweise in der Industrie, im Bergwerk, im Ackerbau sowie in der Wissenschaft einsetzen. Auf diese Weise lenke ich zugleich die Akkumulation meiner Ressourcen, denn durch das Setzen von Prioritäten wird die jeweilige Herstellungsrate für Nahrung, Metalle, Industriegüter und Forschungspunkte merklich beeinflusst. Will ich meine Siedlung durch spezielle Gebäude erweitern, neue Technologien entwickeln und weitere Einheiten in Auftrag geben, benötige ich neben den genannten Faktoren natürlich auch Geld. Letzteres erwirtschafte ich einerseits durch die allgemeine Produktion, andererseits durch das Erheben von Steuern.

In Bezug auf das Städtemanagement ist eine Einheit namens „Former“ besonders erwähnenswert. Es handelt sich hierbei um ein schweres Baufahrzeug, welches in der Lage ist, bestimmte Infrastrukturen anzulegen beziehungsweise die Beschaffenheit eines Hexfeldes mittels Terraforming zu verändern. So kann ich beispielsweise Wälder roden, um an deren Stelle Farmen oder Bergwerke entstehen zu lassen, oder aber umgekehrt ungenutzte Flächen in Waldgebiete verwandeln, was innerhalb des Einzugsbereichs einer Stadt die Lebensqualität verbessert und die Umweltverschmutzung vermindert.

Dinge wie Umweltverschmutzung und mangelnder Wohnraum sind nicht außer Acht zu lassen, denn sind die Bewohner unzufrieden, migrieren sie automatisch in eine attraktivere Gegend – vorausgesetzt, ich verfüge über andere Siedlungen, welche den Andrang bewältigen können. Ist dies nicht der Fall, muss ich mit Rebellionen rechnen. Zum Errichten weiterer Städte wird übrigens ein relativ teurer „Kolonisator“ benötigt, der seine Zelte an einem beliebigen Standort aufschlagen kann.

Auch Flora und Fauna des Planeten spielen eine nicht ganz unerhebliche Rolle. Auf Erkundungstour wird man relativ schnell feststellen, dass Pandora allerlei wilde und bizarr anmutende Kreaturen beherbergt. Diese stapfen nicht nur friedlich durch die Landschaft, sondern können durchaus Ortschaften angreifen und somit eine Gefahr darstellen. Man sollte daher stets die ein oder andere militärische Einheit zu Verteidigungszwecken in der Hinterhand behalten. Manche Spezies haust in Bauen oder Brutstätten, für deren Vernichtung der Spieler eine kleine Belohnung in Form von Credits erhält.

Auf der Oberfläche des Planeten finden sich zudem seltene Naturphänomene wie Heilquellen oder besonders fruchtbare Böden. Liegen solche Attraktionen in unserem Einflussgebiet, macht sich dies in Gestalt unterschiedlicher Boni bemerkbar. Jedoch kann auf der anderen Seite selbst die Vegetation dem Menschen feindlich gesinnt sein. So gibt es überdimensionierte Pilze, auf deren Gebiet alle Einheiten mit der Zeit Lebenspunkte verlieren. Habe ich hingegen die entsprechende Technologie erforscht, dürfen meine Former die garstigen Pilzkulturen beseitigen, so dass sich die freigewordene Fläche anderweitig verwenden lässt. Schließlich gibt es überall auf dem Planeten auch noch die Relikte eines längst entschwundenen Alien-Volkes. Bei der Entdeckung eines dieser Artefakte wird wiederum eine Belohnung fällig.

Da wir den Punkt bereits berührt haben, wenden wir uns nun kurz der Forschung zu. In dieser Hinsicht bietet „Pandora“ eine breite Palette an Einheiten, Spezialfähigkeiten, Gebäuden und Upgrades, die alle nur darauf warten, im Laufe einer Partie freigeschaltet zu werden. Der Forschungsbaum ist entsprechend weit verzweigt und erstreckt sich zudem über mehrere historische Epochen. Hierbei sind zwei Besonderheiten zu erwähnen: Die Entwickler haben einen Zufallsfaktor implementiert, aufgrund dessen der Technologiebaum mit jedem neuen Spiel variiert. Indes betrifft dies nur die Abhängigkeiten der Forschungsprojekte untereinander, nicht die Art und Zahl der Technologien selbst. Außerdem kann der Spieler beim Einrichten einer Partie darüber bestimmen, wie viele der insgesamt verfügbaren Projekte für ihn von Beginn an sichtbar sind. Oder anders gesagt: Größere Teile der Gesamtübersicht sind noch in das Dunkel der Unwissenheit gehüllt, so dass ich die Abfolge meiner Forschungsvorhaben nicht für das ganze Spiel vorausplanen kann.

In diesem Zusammenhang können wir auch gleich den militärischen Aspekt der Spielmechanik abhandeln, denn ein nicht geringer Teil der möglichen Forschungsprojekte widmet sich der Entwicklung fortgeschrittener Waffensysteme. So werden mit der Zeit neben dem schlichten Fußvolk nicht nur Panzer, Artillerie und Flugzeuge, sondern auch allerlei futuristische Geräte wie etwa gigantische Kampfroboter verfügbar. Sehr zu gefallen weiß der Umstand, dass wir unsere Einheiten nach eigenen Vorlieben konfigurieren dürfen, indem wir einfach ein vorgegebenes Basismodell in unterschiedlichen Varianten entwickeln. So kann eine Ausführung meines schweren Panzers als mobile Flak dienen, eine andere hingegen als Raketenwerfer. Es ist allerdings zu beachten, dass die meisten Waffen sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringen. Rüste ich beispielsweise meine Sturminfanterie mit Flammenwerfern aus, so sind diese zwar sehr effektiv im Gefecht mit biologischen Gegnern, erhalten aber Abzüge gegenüber mechanisierten Einheiten. Die nach dem Schere-Stein-Papier-Prinzip funktionierende Gefechtsberechnung ist eher simpel zu nennen und berücksichtigt neben der Ausrüstung nur wenige andere Faktoren wie etwa Panzerungs- oder Erfahrungswerte

Früher oder später kommen wir mit den anderen Fraktionen in Berührung, was natürlich die Diplomatie auf den Plan ruft. Das Diplomatie-System von „Pandora“ hält sich ganz an die Gepflogenheiten des Genres und stellt entsprechend die üblichen Interaktionen wie Tributforderungen, Bündnisangebote, Technologietransfer oder offene Grenzen zur Auswahl. Meinem Eindruck zufolge haben die jeweiligen Verhandlungspartner weder etwas zu verschenken noch lassen sie sich ohne Weiteres über den Tisch ziehen. Die computergesteuerten Mitspieler agieren vielmehr relativ plausibel, wobei sie sich augenscheinlich am aktuellen Punktestand und hier vor allem an der militärischen Stärke des Gegenübers orientieren.

Jedoch kommt es schon einmal vor, dass uns die lieben Nachbarn mit dem immer gleichen Ansinnen nerven. Auch verhielt sich die KI im Test nicht immer sonderlich aggressiv, was mir dann die Gelegenheit verschaffte, meine anfangs schwächliche Position in aller Ruhe zu festigen. Wer alternativ hierzu die Herausforderung durch menschliche Gegner sucht, sei in diesem Zusammenhang an den vorhandenen Multiplayer-Modus verwiesen.

Zu Beginn jeder Partie muss sich der Spieler für eine von sechs konkurrierenden Parteien entscheiden. Letztere verfügen alle über eine detaillierte Hintergrundgeschichte, was zwar nur Beiwerk darstellt, aber doch dem Flair des Ganzen zuträglich ist. Da hätten wir einerseits zwei mächtige Konzerne, welche nach der schnöden Ausbeutung des Planeten trachten, andererseits das ehemalige China, das nun „Solar-Dynastie“ heißt und auf Pandora den perfekten – sprich: totalitären – Staat gründen will. Dann gibt es da noch eine Gesellschaft von Wissenschaftlern, eine theokratisch geführte religiöse Gemeinschaft sowie einen Haufen naturverbundener Ökologen.

Das eigentlich Interessante daran ist der Umstand, dass sich diese Fraktionen aufgrund ihrer ideologischen Ausrichtung jeweils anders spielen, unterschiedliche Stärken und Schwächen aufweisen und auch mit jeweils spezifischen Startbedingungen ins Rennen gehen. An zwei Beispielen gesagt: Das sogenannte „Imperium“ (ein gewaltiges Rüstungsunternehmen) ist militaristisch veranlagt und erhält daher unter anderem Boni in Bezug auf die militärische Ausbildung (einige kostenfreie Erfahrungsaufwertungen). Außerdem heilen beschädigte Einheiten schneller. Dafür verlangen die Soldaten einen hohen Sold, was sich bei den Kosten für den Unterhalt negativ bemerkbar macht. Der sektenartige „Lichtorden“ hingegen gebietet über fanatische Mitglieder (bessere Moralwerte für die Bevölkerung) und hat darüber hinaus einen Angriffsvorteil im Kampf. Der Pferdefuß hierbei: Als konservative Gruppierung ist diese Partei der Wissenschaft eher abgeneigt, was im Spiel einen Malus bei der Forschung mit sich bringt.

Werfen wir noch kurz einen Blick auf die Präsentation: Die zoombare 3D-Grafik von „Pandora“ verlangt beileibe keinen High End-PC, hält aber dem Vergleich mit ähnlichen Titeln wie „Civilization V“ durchaus stand. So ist es nett anzusehen, wie allerlei Getier kreucht und fleucht, sich meine Siedlungen allmählich zu wuchernden Großstädten entwickeln, Rauch aus den Minen aufsteigt und Former beim Umgraben der Landschaft eine Menge Staub in die Luft wirbeln. Die Kampfanimationen sind allerdings alles andere als spektakulär zu nennen. Auch die Soundeffekte wirken unauffällig und könnten meines Erachtens ruhig eine Spur satter aus den Boxen dröhnen.

Kommen wir nun zum Abschluss: Mir persönlich hat die Erkundung und Eroberung des Planeten Pandora definitiv Spaß gemacht. Das Spiel geht leicht und schnell von der Hand, so dass man für das Absolvieren eines Spielzuges in der Regel nur wenige Minuten zu veranschlagen hat. Dabei stellt sich bald der bekannte „Nur noch eine Runde“-Effekt ein. Ein Ärgernis stellt allerdings die mangelhafte Dokumentation dar. Das Handbuch charakterisiert zwar in epischer Breite die sechs Fraktionen, verliert aber kein Sterbenswörtchen über so wichtige Dinge wie Menüführung und Spielmechanik. Um hierüber Näheres zu erfahren, muss der Spieler die In-Game-Enzyklopädie bemühen. Zudem ist es ein wenig schade, dass sowohl die erforschbaren Technologien als auch die Basismodelle der Einheiten für alle Parteien exakt die gleichen sind.

Lobenswert ist hingegen die gelungene Lokalisation, denn das Entwicklerteam „Proxy Studios“ hat „Pandora“ deutsche Texte sowie auch eine komplette und professionell wirkende deutsche Sprachausgabe spendiert. Ebenfalls zu honorieren ist der befriedigende Support. So wurden dem Spiel mit dem jüngst erschienenen Update auf Version 1.1.2 nicht nur sinnvolle Verbesserungen und Bugfixes, sondern auch neue Features (wie die Möglichkeit zum Ressourcenhandel) hinzugefügt.

 


 

Systemvoraussetzungen

  • Windows XP/Vista/7/8
  • Intel Core 2-Prozessor oder vergleichbar
  • 1 GB RAM
  • 1 GB freier Festplattenspeicher
  • 256 MB-Grafikkarte

 

 

161 total views, 1 views today

Print Friendly, PDF & Email

Post Author: Admin

Schreibe einen Kommentar