Pike and Shot

7b81ecef2f86bc1176348962655ecf3cPappenheimer – was haben die mit Pike and Shot zu tun. Das ist leicht erklärt: in Schillers Wallenstein lässt dieser den Hauptakteur aussagen, dass er seine Pappenheimer (das Regiment Pappenheim) kenne und an Ihrer Treue und Zuverlässigkeit keinen Zweifel lässt.

 

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Ein Bonmot, das auch auf Pike and Shot Anwendung finden mag, da Wallenstein und Pappenheim Zeitgenossen eben jener Ära sind, die im Mittelpunkt dieses neuesten Titels von Byzantine Games und The Lordz Games Studio steht.

Pike and Shot umfasst die Zeit der französischen Einfälle in Italien durch Karl VIII. und die daraus resultierenden Italienischen Kriege zwischen 1494 und 1559, den 30-jährigen Krieg von 1618 bis 1648 und auch den Englischen Bürgerkrieg von 1642 bis 1651. Die Kriegführung der damaligen Zeit spiegelt sich in den Einheiten deutlich wieder: es sind die ersten Gefechte „verbundener Waffen“, da Schützen und Pikeniere in zusammengefassten Einheiten in den Kampf zogen – der Kreis zum Titel schließt sich: Pike and Shot!

Zum Spiel selbst: Vom Konzept erinnert Pike and Shot auf den ersten Blick an Battle Academy – doch weit gefehlt. Bei näherer Betrachtung merkt man schnell, dass die frühneuzeitliche Kampftaktik sich um Längen von der des 20. Jahrhunderts unterscheidet. Zunächst startet die Schlacht in einer Schlachtordnung, die aufgrund ihrer schnell erkennbaren Geometrie sehr aufgeräumt wirkt. Doch rasch lösen sich die klaren Linien in einzelne kleine Scharmützel auf. Wenn die erste Lücke in der eigenen oder gegnerischen Schlachtaufstellung klafft, gibt es kein Halten mehr. Augenblicke später befinden sich Einheiten im Nahkampf, auf der Flucht oder können in Ermangelung des bereits fliehenden Gegners andere eigene Truppen unterstützen. Hier entdeckt man das Zugrundeliegen eines Tabeltop-Regelwerks, welches die Optionen der Einheiten festlegt: Fernkämpfer dürfen nicht in Nahkämpfe schießen, durch welche Lücke kann man zum Sturm antreten, welche Lücke muss erst erweitert werden oder auch, dass man aus einem Nahkampf nur als Sieger hervorgeht – oder flieht. Daneben muss man auch beachten, dass man selbst über eine siegreiche Einheit die Kontrolle „verlieren“ kann, da diese im Siegestaumel der fliehenden Einheit nachzusetzen versucht, um diese völlig aufzulösen. In Pike and Shot erlebt man die Machtlosigkeit damaliger Kommandeure, wenn der „Plan“ das erste Mal auf den Feind trifft – und wie es an den Militärschulen immer und immer wieder betont wird: diesen ersten Feindkontakt nicht überlebt. Zum Thema Kommandeure und Feldherren: leider sind historische Kommandeure nicht Teil des Spiels – gerade diese wären jedoch besonders reizvoll, da ihr Auftritt manche Moraleinbrüche und drohende Niederlagen abwenden kann. Daneben ist es natürlich extrem reizvoll gerade die Einheiten im direkten Umfeld eines Wallenstein oder eines Cromwell in die Flucht zu treiben.

 Wenn wir den Blick auf die Grafik richten, ist diese zunächst recht gefällig, dennoch fällt zumindest uns ein kleiner „Kritikpunkt“ auf: Die Pikenblöcke in den Einheiten wirken sehr statisch, da diese wirklich im Block dargestellt werden. Vor allem die dazwischen „steckenden“ sehr detaillierten Flaggen kommen leider so nicht zur Geltung. Dennoch ist die grafische Umsetzung sehr gelungen und bringt für die Übersicht im Gefecht klare Vorteile. Karten und Einheiten sind aufeinander abgestimmt und kommen der Atmosphäre zugute – es gibt kaum etwas zu bemängeln. Auch die Steuerung gestaltet sich als sehr intuitiv. Durch die Tutorials erfährt der Spieler alles Notwendige und findet sich dann rasch zurecht.

 Im Hauptmenü wählen wir zielstrebig die Schaltfläche „Kampagne“ an und landen in einem Szenariomenü – schade, so einfach hatten wir uns das nicht vorgestellt! Relativ statisch sind die 30 angebotenen Szenarios, die allesamt Schlachten aus den oben genannten Kriegen sind. Wie schon bei Battle Academy (also doch in gewisser Weise vergleichbar!) ist der Gefechtsmodus das Steckenpferd des Spiels – hier kann der Spieler rasch eine komplette Armee zusammenstellen. In den Szenarios ist die Armee des Spielers in der Regel festgelegt und nicht veränderbar. Daneben verfügt Pike and Shot auch noch über einen umfangreichen Szenarioeditor, der es ermöglicht neben den Armeen auch das Schlachtfeld selbst vollständig neu und nach eigenem Geschmack zu erstellen. Auch im Multiplayer glänzt das Spiel mittels play by email Modus (PBEM).
 Die Steuerung gestaltet sich wie bereits erwähnt sehr intuitiv: mittels linkem Mausklick wird die Einheit angewählt und mit Rechtsklick bewegt, gedreht oder in den Kampf geschickt. Für alle Handlungen verfügt die Einheit über Aktionspunkte, die sich rasch verbrauchen, sodass die doch recht komplexen Formationen nicht mehr als zwei Aktionen pro Spielrunde durchführen können. Zum Angriff gibt es zwei Varianten: wenn man eine gegnerische Einheit als Ziel anwählt gibt es zwei Möglichkeiten – Pike and Shot – Stürmen oder Schießen. Im Falle eines Angriffs werden nun Verluste angezeigt und führen zu Abzügen bei Moral und Zusammenhalt der Einheit. In der Regel wird ein einfacher Angriff zu keinen großen Folgen führen. Angriffe von der Seite oder im Rücken führen da schon mal zu heftigeren Resultaten. Aber auch hier kann die Erfahrungsstufe bzw. der Unterschied der Einheitenstärke viel ausmachen und über Standhaftigkeit und Flucht entscheiden.

 Die KI ist ohne jeden Zweifel eine der größten Überraschungen in Pike and Shot. Und das ist in jedem Fall positiv gemeint: wie oft haben wir uns in den Testspielen als besonders gewieft beim taktieren gehalten – und sind böse überrascht worden. Das lag natürlich zum einen an unglücklichen Moralwerttests aber eben auch an geschicktem Einsatz der KI, die jede Schwäche unbarmherzig ausnutzt um Flankenangriffe durchzuführen oder den eigenen Einheiten in den Rücken zu fallen. Ebenso schafft es die KI teilweise eine örtliche Überlegenheit zu erzeugen, um geteilte Streitkräfte des Spielers mit hoher Wirkung anzugreifen. Die fordernde aber nicht unschlagbare KI ist ein besonders hervorzuhebender Pluspunkt für Pike and Shot.

Alles in allem ist Pike and Shot einen – genauer zwei – tiefer gehende Blicke wert. Besonders überzeugt das völlig unverbrauchte Szenario der Kriegführung in der Renaissance und die ausgewogene KI. Dafür nehmen wir auch einen unerfüllten Grafiksonderwunsch hin – wobei die Szene insgesamt sehr stimmig wirkt. Pike and Shot ist ein schönes rundenbasiertes Strategiespiel sowohl für die kurze Unterhaltung als auch für den etwas umfassenderen Spieleabend – und für Multiplayerpartien!

 


 

 

Systemvoraussetzungen

  • Windows XP / Vista / 7 / 8
  • CPU: Intel Pentium 4 oder besser
  • Arbeitsspeicher:: 1 GB RAM
  • HDD:: 500 MB
  • Grafik: 256MB DirectX card

 

 

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