John Tiller`s Midway

07a2095d3b00070eb86d94c80068bcdbViele Hexfeldstrategen sind ihr schon begegnet: John Tiller`s Campaign Series war schon vor vielen Jahren bei uns mit den Titeln East- und Westfront vertreten, damals noch über Talonsoft. Sie waren vor allem durch ihre unglaubliche historische Detailtreue bekannt: hier konnten bis herunter auf Zugführerebene ganze Panzerkorps befehligt werden.

usk_18Aber anders als früher, wo noch Zug um Zug gekämpft wurde, überrascht uns “Midway” als Echtzeitspiel. Hier können die berühmtesten Schlachten des Pazifikkriegs von Pearl Harbour bis Okinawa nachgespielt werden.

Als Kommandant eines oder mehrerer Trägerverbände gilt es in erster Linie feindliche Flugzeugträger zu finden und zu vernichten, die ihrereseits natürlich nichts Anderes planen.

Stürzen wir uns also als Kommandant der “USS Saratoga” in die erste Schlacht, die gleichzeitig als Tutorial dient. Wir verfügen auf der “Saratoga” über 2 Staffeln Sturzbomber
und eine Staffel Torpedobomber, unsere Jagdkräfte bestehen aus je einer Staffel “F4F Wildcat” und “F2A Buffalo”. Alle Staffeln sind in Schwärmen aus 3-4 Flugzeugen organisiert, ihnen können einzeln oder zu mehreren bestimmte Aufgaben zugewiesen werden. Windrichtung Nordwest, Windgeschwindigkeit 20 Knoten. leichte Bewölkung.
Auf dem Flugdeck befinden sich die “Wildcats” und eine Staffel Sturzbomber, 2 Schwärme der Jäger sind bereits als Nahschutz in der Luft und ziehen Kreise um die “Saratoga”,
die ihrerseits von 5 Zerstörern und 3 Kreuzern umschwärmt wird.
[–NEU–]
Wir befehlen dem Flottenverband Kursänderung in Windrichtung, um unseren Fliegern den zum Abheben nötigen Gegenwind zu verschaffen, passen unsere Geschwindigkeit
an und befehlen 3 Schwärme unserer Sturzbomber auf die Suche nach dem feindlichen Träger, der irgendwo östlich sein muß.

Ist die Kursänderung erfolgt und die kumulierte Geschwindigkeit erreicht, starten unsere Schwärme automatisch unter entsprechendem Getöse vom Flugdeck, was einiges
an Echtzeit in Anspruch nimmt und sich mittels Uhr beschleunigen läßt.
Wir ändern unseren Kurs wieder in die Gegenrichtung und versuchen mit Volldampf ein schmales Wolkenband zu überholen, um es als Sichtschutz vor Entdeckung zwischen uns und dem Gegner zu halten. Erst jetzt werden die im Hangar verbliebenen Sturzbomber auf das Flugdeck befördert , vorher hätte der Fahrstuhlbetrieb den Start unserer Suchpatrouille behindert und zu Überfüllung auf dem Flugdeck geführt .

Da kommt auch schon der Alarm: feindlicher Trägerverband entdeckt!  Ein Schwarm unserer Patrouille hält am Rande der Sichtweite Fühlung zum Feind und meldet Kurs und Geschwindigkeit. Sofort setzen wir unseren Kampfverband auf den Träger an: allen verbleibenden Sturzbombern wird Angriffsbefehl erteilt, begleitet werden sie von den restlichen Wildcatjägern zur Ausschaltung oder Ablenkung der seit Pearl Harbour gefürchteten “A6M Zeros”.

Gottseidank stürzen sich unsere Schwärme nicht einzeln in den Kampf, sie sammeln sich zusammen mit den Begleitjägern über der “Saratoga” und fliegen vereint Richtung Feind. Jetzt folgt die spannendste Phase: können wir den Träger versenken und unsere “Saratoga” schützen? Auf dem Weg zum japanischen Träger gab es schon die ersten
Verluste, ein Schwarm unserer Jäger wurde bei der Begegnung mit der feindlichen Flugzeugkampfgruppe abgeschossen, unser Träger ist also ebenfalls entdeckt und damit 
in höchster Gefahr. Wir befehlen neue Marschrichtung senkrecht zum Kurs des feindlichen Flugverbands, um möglichst viel Abstand zwischen sie und uns zu bringen.   

Aber was ist das? Unsere Flieger verpassen den Träger, obwohl er immer noch in Sicht ist. Jetzt ist Mikromanagement gefordert, Sturzbombern und Jägern wird per Mausklick der Angriff befohlen. Vergisst man dabei die Jäger, kehren die wundersamerweise wieder um. Die “Saratoga” hat mittlerweile die Buffalojägerstaffel in die Luft gebracht, sie
umkreisen zusammen mit der Wildcatpatrouille unser Flaggschiff .

Als sich unsere Bomber auf den Träger stürzen, versuchen die Zeros sie abzufangen, werden aber von unseren Jägern in Luftkämpfe verwickelt. Der Angriff ist ein voller Erfolg,
der Träger brennt schwer beschädigt. Da unser Kampfverband keine Bomben mehr hat, befehlen wir auch noch der Aufklärungspatrouille den Angriff. Kurze Zeit später
sinkt der Träger.

Unsere “Saratoga” hat mittlerweile Kurs Richtung Süd gesetzt, die feindlichen Flugzeuge waren auf der falschen Seite des Wolkenbands Richtung Nordost geflogen und könnn
uns vor Ablauf des Zeitlimits nicht mehr erreichen. Ergebnis: Allied Major Victory.
Spannend ist das Spiel vor allem durch die Unfähigkeit auch der eigenen Ki, typisch dafür das Verfehlen des japanischen Trägers durch unsere Angriffsgruppe, obwohl der schon in Sichtweite lag. Hier muß per Hand nachgesteuert  werden: Doppelklick auf die Bomber, Rechtsklick auf das Angriffsziel und dabei gut zielen, sonst gehts daneben.
Die Begleitjäger müssen ebenfalls einen separaten Angriffsbefehl bekommen, sonst “vergessen” sie ihren ursprünglichen Auftrag. Dabei muß man allerdings die KI überlisten
und einen Angriff auf ein Schiff befehlen, solange noch keine feindlichen Jäger in Sicht sind. Erspäht man diese, muß wiederum schnell umgesteuert werden.

Das Programm selbst bietet dabei wenig Unterstützung: im Tutorial werden diese Feinheiten großzügig übergangen, erst die Recherche im Handbuch schafft Abhilfe.
Ein weiteres Problem ist die fehlende Rückmeldung und die unnötig komplizierte Steuerung. So plant man den Einsatz seiner Staffeln durch Doppelklick auf den eigenen
Träger und gelangt von da aus in die passenden Untermenüs, die wiederum die verschiedenen Möglichkeiten in weiteren Untermenüs darbieten. Hier sollte man besser gut
aufpassen, eine Rückmeldung gibt es nämlich nicht. Möchte man später herausfinden, welche Staffeln welchen Auftrag verfolgen, wird das nirgends angezeigt.

Trotz Zeitbeschleunigung und Pausentaste kommt deshalb in der entscheidenden Spielphase regelmäßig Hektik auf, da nicht nur der eigene Angriff ständig nachgesteuert werden muß, sondern gleichzeitig die Feindflugzeuge bei der Verteidigung unseres Trägers bekämpft werden müssen. Dazu kommt das Fehlen sinnvoller Komfortfunktionen,
für die Zeitbeschleunigung muß man tatsächlich 10x auf den Button klicken.

Wie sich das bei den größeren Szenarios wie Pearl Harbour oder Midway, die ein Zeitlimit von bis zu 12,5 Stunden aufweisen auswirkt, kann sich jeder vorstellen.

Trotzdem hat das Spiel einen wenn auch etwas spröden Charme, die historische Genauigkeit ist wie bei allen Teilen der Campaign Series unübertroffen, was nicht nur die
akkurate OOB betrifft. Feine Details wie die Überlegenheit der Zerojäger, die unsere Buffalos reihenweise vom Himmel fegen, oder das Ausnutzen des Wolkenbands als
Schutz vor Entdeckung entschädigen doch teilweise für einige Unzulänglichkeiten der Ki und der Bedienung.

Zudem läßt sich über den mitgelieferten Editor einiges nachjustieren und auch Entschleunigen.

 

 

Systemvoraussetzungen

  • Win XP

 

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Post Author: Admin

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