Campaign Series: Middle East 1948-1985

ecb86050cb59c94e7035020a60c1a378Heute beschäftigen wir uns mit einem Konflikt, der mit der Erstellung dieses Reviews eines gemein hat: seine Langwierigkeit! Schon seit einigen Wochen liegt uns Campaign Series Middle East 1948-1985 vor – das eilig dazwischen geschobene Preview zu Decisive Campaigns hat der „Road Map“ für diesen Test nicht unbedingt gut getan. Lange Rede kurzer Sinn, Hauptsache der aktuelle Begleitumstand trifft uns nicht auch bei einem Titel zum Hundertjährigen Krieg…

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 Obwohl der Konflikt zwischen Israel und seinen Nachbarn schon einige Jahrzehnte alt ist, hat die Region absolut kein Quentchen an Aktualität eingebüßt – im Gegenteil. Der Bürgerkrieg in Syrien, die Nachwirkungen der Invasion im Irak von 2003 haben deutliche Spuren hinterlassen. Auch wenn Israel inzwischen mehr oder weniger im Tagesgeschehen steckt, schwelt auch dort der Konflikt weiter. Noch immer gibt es keine Umsetzung des UN-Teilungsplanes von 1948 – noch immer hoffen die Palästinenser auf einen eigenen Staat. Ebenso ist die Sicherheit Israels weiterhin extern bedroht – immer wieder lassen sich Politiker der mehr oder weniger nahen Staaten zu aggressiven Aussagen verleiten, die mal deutlicher mal weniger deutlich das Existenzrecht des einzigen jüdischen Staates verweigern.

Ein kleiner Ausflug in die Geschichte ist unumgänglich, um ein wenig nachzuvollziehen, worum es geht. Bis 1948 war Palästina Mandatsgebiet mit dem Vereinigten Königreich als Schutzmacht. Die Vereinten Nationen entschieden, dass beim Ende der Mandatszeit auf dem Gebiet Palästinas zwei Staaten entstehen sollten: Israel und Palästina. Aufgrund antisemitischer Strömungen in Europa, die mehr oder weniger auch mit Gewalt einhergingen, waren bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts viele Juden nach Palästina eingewandert. Nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges und dem Holocaust war der Wunsch der Juden nach einem eigenen Staat nachvollziehbar. Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert hatte es mehrere Einwanderungswellen jüdischer Siedler nach Palästina gegeben, sodass neben den arabischstämmigen Einwohnern die Juden bereits einen großen Bevölkerungsteil ausmachten. Um dieser Tatsache Rechnung zu tragen, wurde der UN-Teilungsplan entworfen.

Am Nachmittag des 14. Mai 1948 wurde mit dem Ende der Mandatszeit um 24 Uhr dieses Tages die Gründung des Staates Israel proklamiert. Die USA erkannten den neuen Staat unmittelbar an, viele andere Staaten folgten diesem Schritt. Noch in derselben Nacht erklärten die umliegenden arabischen Staaten Israel den Krieg. In diesem Unabhängigkeitskrieg konnte Israel erhebliche Gebietsgewinne erzielen. Aus diesen Gebieten floh der Großteil der Bevölkerung oder wurde vertrieben. Dieser Krieg bildet nicht nur das erste Szenario für den vorliegenden Titel sondern ist auch der Ausgangspunkt einer langen Reihe kriegerischer Konflikte zwischen Israel und seinen Nachbarn. (Der vorstehende Text dient ausschließlich der kurzen Zusammenfassung der Konfliktursachen und erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.)

Der Nahostkonflikt enthält erheblichen politischen Zündstoff, da der noch immer anhält und weit von einer Lösung entfernt scheint. Dennoch bietet das Geschehen dort für strategische bzw. taktische Szenarien eine spannende Vorlage. Die Komplexität dieser Auseinandersetzung sorgt für eine Detailfülle des Spiels, wie es sie kaum ein zweites Mal gibt. Bereits im ersten Tutorial ist die ersten aufgeklärte „Einheit“ ein Haufen Zivilisten – natürlich, bei einem Kampf in so stark besiedeltem und dazu noch sehr kleinem Gebiet ist das unumgänglich. Dass die Zivilisten jedoch in der Simulation dargestellt werden, ist eine Besonderheit, die erwähnt werden muss.

Da wir nun schon mit den dargestellten Einheiten angefangen haben, können wir auch gleich fortfahren: aufgrund der Länge der abgedeckten Zeitspanne ist ein umfassender Fortschritt der Waffentechnik erlebbar. Während am Anfang Einheiten mit nahezu vollständiger Weltkriegsausrüstung auftreten, kommen mit der Zeit entsprechend dem Fortschritt Luftabwehrbewaffnung, zahlreiche Luftfahrzeuge, modernere Panzer bis hin zum Merkava ins Spiel. Entsprechend Ihrer Kategorie werden die Einheiten klassifiziert – als Weich- oder Hartziele. Ebenso werden Fähigkeiten abgebildet (z.B. Nachtsicht-/Nachtkampffähigkeiten bei Kampfpanzern oder die Ausstattung zur Verminung/Beräumung von Geländeabschnitten ebenso wie die Anlage oder Beseitigung von Feldbefestigungen).

Insgesamt enthält die Spieldatenbank weit über 1000 verschiedene Teileinheiten (Platoons oder Zugäquivalente) aus zwölf Nationen. Diesen Einheiten stehen für die Aktionen in den rundenbasierten Szenarien Aktionspunkte zur Verfügung – daneben werden wie inzwischen üblich Moral und Gefechtsstärke simuliert. Aufgrund der zahlreichen Fähigkeiten und Ausrüstungen, der Darstellung von Zivilisten sowie dem Wechsel der Tageszeiten entsteht ein sehr umfangreiches Geflecht, das die Schwierigkeit der Kriegsführung in unübersichtlichem stark besiedeltem Gelände sehr gut darstellen kann. Nicht nur die Tageszeiten auch die klimatischen und vegetativen Bedingungen werden in dieser kleinen Region differenziert in mediterran(küstennah) und wüstenhaft (im Inland) präsentiert.

Für Einsteiger in die Serie ist die Steuerung etwas gewöhnungsbedürftig. Am unteren Rand des Bildschirms finden sich die Buttonleiste für alle verfügbaren Befehle: Bewegung, Kampfverhalten, Sonderfertigkeiten werden hier angesprochen. Etwas von Nachteil ist die Skalierung: wer seinen größeren Bildschirm für eine höhere Auflösung benutzt, muss sich mit sehr kleinen Buttons begnügen – das ist manchmal unpraktisch aber nicht tragisch, wenn man sich dem Umstand angepasst hat. Gleichwohl erreicht CSME eine große und interessante Vielfalt an Einsatzoptionen. Der Spieler kann in der jeweiligen Lage entscheiden, welches Mittel er für die Auftragserfüllung einsetzen will.
Besonders hervorheben wollen wir an dieser Stelle auch die spielerfreundliche Lösung der Einheitendarstellung: je nach persönlicher Vorliege des Spielers lassen sich die Counter als NATO Symbole, 2D- oder 3D Modelle anzeigen. Selbst der Luftraum ist für größtmögliche Flexibilität in 4 Höhenzonen eingeteilt – Kontur-, Tief- und Höhenflüge sind damit sehr gut umsetzbar.

Eine beeindruckende Liste an Szenarien wartet darauf, den Spieler zu fordern: 65 Szenarien in 10 Konflikten bieten schon eine starke Bühne. In erster Linie seien hier die arabisch-israelischen Kriege genannt: der Erste Arabisch-Israelische Krieg 1948, der Sechstagekrieg 1967, der sich bald daran anschließende Abnutzungskrieg 1968-1970 sowie der Yom-Kippur-Krieg 1973. Enthalten sind aber auch Szenarien zur Suezkrise, zum Algerienkrieg (algerische Unabhängigkeit) und zur israelischen Besetzung Südlibanons 1982.
Kleine Schmankerl sind der ägyptisch-libysche Grenzkonflikt sowie die ägyptische Yemenoperation und der britische Einsatz in Aden. Neben dem Kernkonflikt zwischen Israel und seinen Nachbarn runden die beigelegten Szenarien das Paket ab und bieten nicht nur interessante sondern aufgrund der weniger bekannten Hintergründe auch lehrreiche Abwechslung.

 Nun zum wichtigsten Teil eines guten Strategietitels – zur KI. Erinnern wir uns: Middle East Conflict aus dem Jahre 2001 krankte an vielem. Die für Szenarien des zweiten Weltkrieges erstellte KI war für die Berechnung von SAM-Angriffen und Helicopterflügen schlicht nicht ausgelegt. All diese Kinderkrankheiten sind inzwischen ausgemerzt. Die KI ist an die Waffentechnik angepasst worden und viel mehr noch: es ist ein neues Element als Spieloption integriert worden. Die Entwickler betiteln es vielversprechend „Adaptive AI“: mit dieser Einstellung soll das Element des Zufalls einen gerechtfertigten Platz im simulierten Kampfgeschehen finden.
Wie oft muss man feststellen, dass weit ab von militärisch-taktischen Planungen auch die Mathematik ein Strategiespiel entscheiden kann. Man kennt die Gleichungen hinter den Kampfergebnissen und befiehlt das Gefecht nur, wenn die Variablen (im wahrsten Sinne des Wortes) passen. Das hat zwar gewisse Analogien zum realen Leben – aber eben doch nicht wirklich. Zahlen allein entscheiden das Gefecht eben nicht – der wichtigste Faktor ist der Mensch. Selbstredend kann die KI den Menschen nur unzureichend simulieren – aber ein weniger mathematisch vorhersehbares Element kann nach Meinung der Entwickler den Realismusgrad nur verbessern: eben die „Adaptive AI“.

Besondere Pluspunkte: wer lieber weniger „Zufälle“ erleben mag, kann die Option auch deaktiviert lassen und – wirklich erwähnenswert – die „Adaptive AI“ beeinflusst auch die Kampfergebnisse im Multiplayer. Natürlich warum auch nicht – ob der Spieler oder die KI die Einheiten in die Schlacht schickt, ist für deren Leistung im Gefecht ziemlich unerheblich. Ebenso hat sich das Team die Mühe gemacht für jede Nation individuelle KI-Muster anzulegen, die den nationalen Militärdoktrinen möglichst gerecht werden. Das Konzept der KI ist insgesamt schlüssig und wies auch im Test keine hervorstechenden Mängel auf. Nicht nachvollziehbare Kampfergebnisse haben sich in keiner Weise gehäuft, sodass wir vereinzelte unerwartete (Fehl-)Leistungen ohne Probleme mit der „Adaptive AI“ in Verbindung bringen konnten. Campaign Series Middle East ist ein Strategiespiel für absolute Fans des Genres. Die Detailfülle an Einheiten und Einsatzmöglichkeiten entspricht in jedem Fall einem Titel für fortgeschrittene Gamer. Einsteiger sollten in jedem Fall das Handbuch zurate ziehen, auf die Tutorials sowie Boot Camp Videos auf youtube.com zurückgreifen – etwas höheres Durchhaltevermögen zu Beginn kann ebenfalls nicht schaden. CSME bietet mit dem Szenariorahmen eine Besonderheit und deckt quasi eine Nische in der Nische ab – Fans der Serie und schwer am Szenario interessierte Gamer dürfen in jedem Fall zugreifen! Zum Einstieg in das Genre können andere Titel jedoch hilfreicher sein.

 


 

 

Systemvoraussetzungen

  • Windows Vista/7/8/10
  • CPU: 2.00 GHz
  • RAM: 500 MB
  • Video/Graphics: 64 MB Video RAM
  • Sound: Windows Compatible Soundcard

 

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Post Author: Admin

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