Heroes of Normandie

0cb289c15e7e24716b9c83468230a233Im Oktober 2015 erschien bei Slitherine/Matrixgames die Brettspielportierung Heroes of Normandie, die natürlich, wie sollte es anders sein, die Invasion der Normandie im Jahre 1944 zum Thema hat. Mit einer grundsätzlich ganz ansehnlichen Comicdarstellung und einem potentiell frischen Spielprinzip hätte hier ein durchaus guter Wurf gelingen können.

 

usk_18

Unglücklicherweise krankt Heroes of Normandie an einigen fundamentalen Schwächen, die den Spielspaß teils beträchtlich einschränken. Einer der wichtigsten Punkte ist die lieblose Portierung, denn ursprünglich wurde der Titel für Touchpads entwickelt, und das merkt man sehr. Counter werden nicht per Klick auf ihre Positionen befohlen, sondern durch „ziehen“ des Counters mit dem Mauszeiger und gedrückter Maustaste, die Maus ersetzt quasi den Finger. Was für die (wenigen) Besitzer eine Touchbildschirms durchaus komfortabel sein mag, ist für den durchschnittlichen PC-Strategen eher ungewohnt und es dauert eine ganze Zeit, bis man sich daran gewöhnt hat. Ganz besonders, wenn man sich zwischendurch anderen Spielen widmet. Da sämtliche Aktionen auf diese Art ausgeführt werden, also auch Angriffe und Spezialattacken, kann es mitunter lästig werden. Der trotz großem Monitor sehr kleine Bildausschnitt und die nicht vorhandene Zoomfunktion tun ihr übriges, um den Eindruck einer eher rudimentär ausgeführten Portierung zu festigen.

Ein weiterer Punkt ist das unübersichtliche Einheitensystem, das im Tutorial nicht wirklich erläutert wird. Wer das Brettspiel kennt, wird sich vermutlich schnell zurecht finden, aber bei wem das nicht der Fall ist, steht erst einmal wie der Ochs vorm Berge ob der verschiedenen Symbole auf den Einheitenkarten. Erst ein Blick ins (magere) Handbuch schafft hier Abhilfe, aber auch wieder nur für die des Englischen mächtigen. Denn während die Texte des Handbuchs ordentlich übersetzt wurden, hat man dies bei den Texten der beigefügten Bilder leider versäumt. Ein Problem, das auch im Spiel ab und an durchschimmert, wenn einzelne Überschriften oder z.B. der Endbildschirm nach den Missionen nicht übersetzt sind.

Schlussendlich läuft am Ende alles auf Würfeln hinaus. Modifikatoren sind rar gesät und so kann es vorkommen, dass ein M4 Sherman den Beschuss mehrerer Panzer und Panzerfäuste in Flanken und Heck völlig unbeschadet übersteht. In solchen Moment ist der Frust ganz enorm, vor allem da Steigerungen des Schwierigkeitsgrades in der Kampagne meist nur bedeuten, dass die KI mit höherer Wahrscheinlichkeit Schaden macht und mit geringerer welchen erleidet. Was dann auf Grund der teils extrem kurzen und doch sehr kleinen Partien besonders unschön ist. Natürlich kann so etwas bei einem Würfelspiel vorkommen. Trotzdem wäre hier ein größeres Maß an Realismus schön gewesen.

Dabei ist gerade die KI eigentlich einer der wirklich positiven Aspekte. Sie agiert teils erstaunlich geschickt, legt Hinterhalte und aktiviert gerne genau die Einheiten, die man in dieser Runde so gar nicht agieren sehen will. Sie erkennt Bedrohungen oft rechtzeitig und wehe, man lässt mehrere Counter nah beieinander, dann kommt schnell eine Handgranate geflogen. Eigentlich bräuchte es da gar keine Modifikatoren, etwas mehr Truppen würden schon reichen.

Auch die Präsentation in Comicoptik ist durchaus gelungen. Zwar mag sich der eine oder andere am stark karikierenden Stil stören, und die stereotypen Figuren sind teils wirklich extrem übertrieben. Aber das Ganze nimmt dem Spiel etwas die Ernsthaftigkeit und sorgt durchaus für gelegentliches Schmunzeln ob der freizügigen französischen Resistancekämpferin oder des dümmlich-fanatischen Nazis.

Zusammen mit dem eigentlich sehr frisch wirkenden modifizierten Rundensystem mit wechselnder Initiative und beschränkten Aktivierungsmöglichkeiten der Einheiten wäre hier ein echter Geheimtipp drin gewesen, aber leider überwiegen am Ende die Fehler. Als Fan des originalen Brettspiels kann man durchaus zuschlagen, für Neulinge könnte es aber eine Enttäuschung sein.

 

 

Systemvoraussetzungen

  • OS: Windows® Vista/7/8/10
  • CPU: Pentium 4 oder Äquivalent
  • RAM: 1GB
  • Grafikkarte: 512MB DX9 mit Shader 2.0
  • Soundkarte: DirectX kompatible Karte
  • Speicherplatz: 2GB

 

 

750 total views, 5 views today

Print Friendly, PDF & Email

Post Author: Admin

Schreibe einen Kommentar