Battlestar Galactica Deadlock

 

Battlestar

Shooter, Rollenspiele, Action und Strategie: Sowohl vom „Star Trek“- und auch vom „Star Wars“-Franchise ist man all dies als Computerspieler gewohnt. Eher mau sah es bisher dagegen bezüglich „Battlestar Galactica“ aus, obwohl auch diese TV-Serie durchaus eine treue Fangemeinde besitzt. Nun schickt sich die Slitherine Group an, die schmerzliche Lücke zu füllen, und verheißt uns mit „Battlestar Galactica: Deadlock“ spannende taktische Raumschlachten im BSG-Universum.

 

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Die Hintergrundgeschichte von „Battlestar Galactica: Deadlock“ (BSG:D) wie auch das visuelle Design des ganzen Spiels orientieren sich nicht an der Original-Serie von 1978, sondern an dem sehr erfolgreichen Remake aus den Jahren 2003 bis 2009. Die Story dürfte vielen vertraut sein, ihre Kenntnis ist aber zum Verstehen des Spiels nicht zwingend erforderlich: Wir befinden uns in einer fernen Region der Galaxie, die von den Menschen der zwölf Kolonien bewohnt wird. Die Zylonen, zum Selbstbewusstsein gelangte Roboter, haben sich gegen ihre menschlichen Herren erhoben und den Streitkräften der Kolonien bereits herbe Verluste beigebracht. Es tobt der erste Zylonenkrieg, was ungefähr 40 Jahre vor den in der TV-Serie gezeigten Ereignissen stattfindet.

Zu Beginn der Handlung von BSG:D werden wir mit dem Umstand konfrontiert, dass die Zylonen nach jahrelangem Patt ganz unerwartet zu einer gewaltigen Offensive angetreten sind und soeben das Oberkommando der kolonialen Flotte jäh ausgelöscht haben. In dieser Situation übernimmt der Spieler im Dienste der neuen Oberbefehlshaberin Lucinda Cain die operative Führung der überlebenden menschlichen Verbände, um die zylonische Gefahr abzuwenden.

 

Bevor wir auf weitere Einzelheiten kommen, werfen wir einen kurzen Blick auf den Umfang des Spiels: Das Herzstück des Ganzen stellt natürlich das Feldzugspiel dar. Hier stehen sogenannte Story-Missionen, welche die gerade angedeutete Hintergrundgeschichte vorantreiben, im Vordergrund. Die Kampagne ist ausschließlich auf Seiten der Menschen spielbar, jedoch bietet BSG:D auch einen Skirmish-Modus, in dem man nicht nur mit der kolonialen Flotte, sondern ebenso mit den revoltierenden Zylonen gegen einen computergesteuerten Gegner antreten darf.

Und schließlich ist noch der Multiplayer zu nennen. Dieser offeriert uns neben dem klassischen Duell zwischen zwei Spielern zusätzlich einen kooperativen Modus, der es ermöglicht, gemeinsam mit einem Partner gegen die KI ins Feld zu ziehen. Der Mehrspielerpart ist übrigens eine wichtige Neuerung gegenüber dem BSG:D-Vorgänger „Star Hammer: The Vanguard Prophecy“, der ebenfalls vom Entwicklerstudio Black Lab Games programmiert wurde.

 

Beschäftigen wir uns nun mit dem Feldzugspiel! Dieses ist grundsätzlich in einen strategischen und einen taktischen Teil zu unterscheiden. Zu Beginn jeder Partie finden wir uns zunächst in der Planungsansicht wieder. Auf dem Tisch vor uns ist eine dreidimensionale Sternenkarte ausgebreitet, welche die vier Systeme der zwölf Kolonien samt der entsprechenden Planeten sowie die Position eigener und erkannter feindlicher Verbände zeigt. In dieser Ansicht organisiere und bewege ich nicht nur meine Streitkräfte, sondern erteile ebenso Bauaufträge, heure Offiziere an und verwalte die mir verfügbaren Ressourcen. Unser Hauptquartier ist übrigens die mobile Schiffswerft „Daidalos“, die sich wie eine Flotte von Planet zu Planet verlegen lässt, im taktischen Kampf allerdings stationär bleibt. Immerhin verfügt sie über zwei Jägerstaffeln, die im Gefecht sehr nützlich sein können. Die „Daidalos“ ist zudem die wichtigste Einheit überhaupt, denn ihr Verlust bedeutet das sofortige und ruhmlose Ende der Partie.

Der strategische Modus von BSG:D findet in klassischer rundenbasierter Form statt, wobei Einheiten, die einen Bewegungsbefehl erhalten haben, am Ende des Spielzugs einen Überlichtsprung zu ihrem Bestimmungsort durchführen. Die hierfür erforderliche Ressource wird wie in der TV-Serie „Tylium“ genannt. Tylium dient aber nicht alleine der Fortbewegung. Wir brauchen es auch zum Bau neuer Schiffe, die nach Fertigstellung immer in unmittelbarer Nähe der „Daidalos“ auftauchen. Daneben stellen Requisitionspunkte eine weitere Währung im Spiel dar. Requisitionspunkte werden unter anderem benötigt, um Offiziere anwerben zu können. Letztere gewähren Boni in verschiedenen Bereichen und steigern dadurch die Effizienz einer Flotte erheblich.

Eine wichtige Funktion von Offizieren besteht in der Erhöhung des Flottenlimits. Damit hat es folgende Bewandtnis: Ein führerloser Verband unterliegt einem Limit von 2000 Flottenpunkten, was im Klartext heißt, dass der Wert der zugehörigen Schiffe dieses Grenze nicht überschreiten darf. Dies gilt es zu beachten, denn ein ausgewachsener Kampfstern wirft deutlich mehr Punkte in die Waagschale als eine vergleichsweise kleine Korvette. Will ich größere Flotten zusammenstellen, ist also die Führung durch einen Offizier unerlässlich. Allerdings kann in BSG:D eine Flotte niemals mehr als sieben Einheiten enthalten. Dies mutet vielleicht restriktiv an, macht jedoch die taktischen Schlachten angenehm überschaubar. – Noch ein Wort zu den Kommandeuren: Sie sammeln mit der Zeit Erfahrung und können ab einem bestimmten Erfahrungswert befördert werden. Dies versetzt uns in die Lage, dem Betreffenden eine weitere Spezialfähigkeit zu geben.

 

Was den Bau neuer Einheiten betrifft, muss man hinzufügen, dass im Laufe der Kampagne die Baupläne für neue und kampfstärkere Modelle freigeschaltet werden. Verfüge ich anfangs lediglich über kleinere Schiffe wie die Korvette, so gebiete ich im fortgeschrittenen Spiel unter anderem über Fregatten, leichte Träger und natürlich über die mächtigen Kampfsterne, welche eine Kombination aus Träger und schwerem Schlachtschiff darstellen. Baupläne gibt es aber ebenso für unterschiedliche Munitionstypen und Raumjäger, so dass sich auch die Jagdstaffeln mit verbesserten Typen nachrüsten lassen.

Schließlich ist noch die politische Komponente zu erwähnen: Als Flottenkommandeur hat man es auch mit dem Zwölferrat zu tun, der die aus dem BSG-Universum bekannten zwölf menschlichen Kolonien repräsentiert. Deren Allianz gegen die Zylonen ist allerdings keineswegs unverbrüchlich. Vielmehr können uns Kolonien die Zusammenarbeit versagen, wenn sie sich nicht ausreichend durch unsere Flotte geschützt fühlen. Dieser Faktor ist nicht ganz unwichtig, denn da wir unsere Rohstoffe von den Ratsmitgliedern erhalten, beeinflusst unser Verhältnis zu den Kolonien unmittelbar das Vorhandensein von Ressourcen.

Während die Anwesenheit zylonischer Aggressoren bei einem schutzlosen Planeten ordentlich auf die Stimmung drückt, verbessern wir unsere Beziehungen zu den Kolonien durch die Stationierung von Flottenverbänden merklich. Besonders positiv wirkt sich die Präsenz der „Daidalos“ aus, da wir dann einen ökonomischen Bonus einstreichen. Weil unsere Mittel begrenzt sind, ist es indes so gut wie unmöglich, alle Kolonien gleichermaßen zufrieden zu stellen. Wenn es ganz schlecht läuft und nicht mindestens sechs Kolonien auf unserer Seite stehen, kann die Allianz sogar vorübergehend ganz zerbrechen.

 

Bevor wir uns dem taktischen Modus zuwenden, noch ein Wort zum Umfang der Kampagne: Das Feldzugspiel besteht im Kern aus 14 Missionen, durch welche – wie schon erwähnt – die Geschichte vorangetrieben wird. Diese Story-Missionen sind zwingend zu erfüllen, wenn man die Partie abschließen will. Dies wirkt zunächst nicht sonderlich beeindruckend, jedoch bietet die Kampagne darüber hinaus eine nicht festgelegte Anzahl von Zufallsgefechten, da die Zylonen unvermutet in jedem Sektor auftauchen können. Und schließlich gibt es noch sogenannte Ressourcen-Missionen, die ebenso wie die Story-Missionen auf der strategischen Karte markiert werden. Wie die Bezeichnung bereits erahnen lässt, geht es hierbei darum, durch erfolgreiche Aktionen Bonus-Mengen an Tylium und Requisitionspunkten zu ergattern. Viel Zeit lassen kann man sich aber nicht, denn Ressourcen-Missionen sind jeweils nur für wenige Spielrunden verfügbar.

 

Die eigentliche Attraktion in BSG:D sind die taktischen Raumschlachten, die auf einer zoom- und rotierbaren 3D-Karte ausgetragen werden, sobald sich am Ende eines Zuges eigene und feindliche Verbände im gleichen Sektor aufhalten. Dabei bedient sich das Spiel des WEGO-Prinzips, so dass man im Rundenmodus seinen Einheiten in aller Ruhe Befehle erteilen darf, während die Ausführungsphase in Echtzeit abläuft. Die Ausführungsphase ist ungewöhnlich kurz, dafür kann man aber auch flexibel auf neue taktische Situationen reagieren. Jede Flotte taucht per Überlichtsprung auf dem Gefechtsfeld auf. Zuvor erhalte ich die Option, die Ausgangsposition der Schiffe auf einem Gitter zu justieren. In der Aufstellungsphase ist es auch möglich, die Art der zu verwendenden Munition oder der Jägerstaffeln zu ändern, falls alternative Ausrüstung zur Verfügung steht.

Die Steuerung der Schiffe ist simpel und dürfte keinerlei Schwierigkeiten bereiten. Wähle ich eine Einheit an, so erscheint vor ihr ein Projektionsmodell. Letzteres lässt sich mit dem Mauszeiger innerhalb eines gewissen Radius ganz einfach in die gewünschte Richtung lenken, wobei auch die Höhe einstellbar ist. Manöver sollten übrigens nicht zu scharf durchgeführt werden, da dies die Performanz der Schiffssysteme zeitweilig negativ beeinflusst.

Mit Rechtsklick auf ein Schiff wird das Kommandomenü aufgerufen, mittels dessen ich grundlegende Einstellungen vornehmen kann. So ist es unter anderem möglich, die Zielerfassung der Geschütze nach eigenen Wünschen zu konfigurieren oder das Feuer auf ein ausgewähltes Ziel zu konzentrieren. Während Geschütze automatisch ihren Dienst verrichten, müssen Lenkraketen und Torpedos manuell bedient werden. Diese Projektile verursachen erheblichen Schaden, allerdings dauert es nach dem Abschuss einige Runden, bis die Waffenschächte wieder geladen sind.

 

Raumjäger wie die berühmte Viper werden natürlich aus dem Hangar eines Trägerschiffs oder Kampfsterns gestartet und danach als steuerbare Einheit behandelt. Staffeln können sowohl das eigene wie auch ein anderes befreundetes Schiff verteidigen oder aber ein bestimmtes Ziel angreifen. Einige Modelle haben spezielle Eigenschaften wie etwa die Fähigkeit, feindliche Sensoren zu stören, so dass sich koloniale Einheiten schwerer von Waffenfeuer erfassen lassen. Die Zylonen besitzen übrigens eigene Spezialfähigkeiten. So sind zylonische Standardmaschinen in der Lage, die Bordcomputer der kolonialen Flotte zu hacken, um deren Verteidigungssysteme zu überwinden. Der schwere zylonische Jäger dagegen kann die berüchtigten Zenturios, die stark bewaffneten Infanteristen der Zylonen, als Enterkommando an Bord kolonialer Einheiten absetzen.

 

Das Schadensmodell ist nicht übermäßig komplex, bietet dennoch einige Details, die es zu beachten gilt. Von den Jägern abgesehen, besitzt jedes Fluggerät neben der allgemeinen Hüllenstärke bis zu sieben Sektionen, die im Spiel Subsysteme genannt werden. Die Beschädigung oder gar der Ausfall eines Subsystems bringt im Kampf erhebliche Nachteile mit sich. Ist beispielsweise der Hangar eines Trägers zerstört, können Jägerstaffeln weder starten noch landen. Fällt hingegen die Feuerleitstelle feindlichem Feuer zum Opfer, bleiben plötzlich die Geschütze stumm. Den Status der Schiffssysteme sollte man auf jeden Fall regelmäßig überprüfen, zumal sich im laufenden Gefecht Notfallreparaturen durchführen lassen. Doch Vorsicht: Für eine Instandsetzung muss die betroffene Sektion offline gehen, so dass sie zeitweilig nicht zur Verfügung steht.

Leider ist es im Spiel nicht möglich, Subsysteme gezielt unter Beschuss zu nehmen. So bleibt es letztlich Zufall, was genau ich gerade am feindlichen Schiff beschädige. Ebenfalls als problematisch empfinde ich den Umstand, dass die Einheiten nicht mittels Gegenschub zum Stillstand oder doch zum Abbremsen gebracht werden können. Da also alles in stetiger Bewegung ist, muss man die Flugbahnen seiner Schiffe immer wieder korrigieren, um ungewollte Kollisionen oder ein Abdriften aus dem Kampfgebiet zu verhindern.

Ich will an dieser Stelle aber auch ein sehr schönes Feature von BSG:D erwähnen, nämlich die vorzügliche Replay-Funktion. Mit dieser kann ich nicht alleine jede Kampfrunde beliebig oft und aus verschiedenen Blickwinkeln analysieren, sondern am Ende auch die gesamte Schlacht in beinahe kinoreifer Form nacherleben, wobei der visuelle Stil der Remake-Serie meines Erachtens trefflich eingefangen wird. Dazu kommt noch ein besonderes Gimmick: Die Replays lassen sich aufzeichnen und außerhalb des Programms mit einem Videotool betrachten oder aber direkt im Spiel auf Youtube hochladen.

 

Überhaupt ist die Präsentation von BSG:D nach meinem Geschmack sehr gut gelungen. Speziell die taktischen Gefechte werden durchaus effektvoll in Szene gesetzt. Zur authentisch wirkenden BSG-Atmosphäre trägt aber ebenso der superb zu nennende Soundtrack bei. Der Erzählstil kann im Vergleich dazu jedoch nicht ganz mithalten. Die im Zuge der Kampagne voranschreitende Story ist zwar nicht uninteressant, wird jedoch nur durch Sprachausgabe und Textfenster vermittelt. Hier würde man sich einige stimmungsvolle Videos wünschen, wie man sie beispielsweise aus Echtzeit-Blockbustern wie „Starcraft“ kennt. Ein weiterer kleiner Schwachpunkt findet sich meines Erachtens im relativ gleichförmigen Missions-Design. Von gelegentlichen Zusatzaufgaben wie etwa dem Ausschalten feindlicher Satelliten abgesehen, hat man es in vielen Fällen mit dem üblichen „Zerstöre alle Feindeinheiten“-Auftrag zu tun.

Mit meinen letzten Ausführungen bin ich längst beim Resümee angelangt. Und dieses fällt trotz einiger Kritik im Detail positiv aus: Der Mix aus strategischer Planung und kurzweiligem taktischen Scharmützel weiß zu unterhalten und überzeugt ebenso durch gelungene technische Umsetzung. Die Entwickler sind zudem sehr umtriebig und haben bereits Updates veröffentlicht, die Wünsche der Community berücksichtigen und das Gameplay von BSG:D weiter verbessern. Auch Erweiterungen wurden uns in Aussicht gestellt. Hier darf man gespannt sein, wobei ich persönlich auf eine zylonische Kampagne hoffe.

 

 

 

 

Systemvoraussetzungen

Windows 7/8/10

2 GHz-Prozessor

4 GB RAM

1 GB-Grafikkarte (DX 11)

DirectX-kompatible Soundkarte

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Post Author: Mortimer