Mare Nostrvm

Cover

Beim Stichwort „antike Kriegsführung“ denken wir natürlich an die großen Schlachten eines Hannibals, Cäsars oder Alexanders. Sehr viel seltener dagegen wird in einem PC-Spiel der Seekrieg der Antike behandelt, obwohl die Beherrschung der Seewege in den meisten Konflikten dieser Epoche durchaus von Bedeutung war. Die Slitherine Group hat sich nun des Themas angenommen und entführt uns mit „Mare Nostrvm“ in das Zeitalter der Galeeren und anderer altertümlicher Kriegsschiffe.

 

usk_18

„Mare Nostrvm“ (MN) ermöglicht dem Spieler das Nachstellen taktischer Seegefechte im Mittelmeerraum, wobei die abgedeckte Zeitspanne von der griechischen Kolonisation bis hin zu den römischen Bürgerkriegen reicht. Das verantwortliche Entwicklerteam „Turnopia“ ist übrigens mit dem geschichtlichen Hintergrund durchaus vertraut, hatte es doch zuvor schon in Gestalt von „Qvadriga“ ein Spiel über Wagenrennen im alten Rom vorgelegt.

Verlieren wir zunächst ein paar Worte über den Umfang: Das Programm enthält ein Tutorial, das in die Grundlagen von Bewegung und Kampf einführt, sowie einen Skirmish-Modus, der das Zusammenstellen individueller Flotten mit spezifischen Eigenschaften erlaubt. Kern des Ganzen ist freilich das Feldzugspiel. In dieser Hinsicht bietet MN immerhin neun historische Kampagnen. Hierzu zählen unter anderem die Perserkriege, die Peloponnesischen Kriege zwischen den griechischen Großmächten Athen und Sparta oder auch die jahrzehntelangen Auseinandersetzungen zwischen Rom und Karthago. Den Schlusspunkt stellen, wie gesagt, die römischen Bürgerkriege dar – eine Periode, die mit der Seeschlacht bei Actium und dem Triumph des späteren Kaisers Augustus endete.

Jeder Feldzug besteht aus einer Reihe von bis zu fünf Gefechten, die nacheinander freigeschaltet werden müssen. Allerdings handelt es sich hierbei tatsächlich nur um eine Folge von unverbundenen Einzelschlachten, denn eine strategische Komponente ist in MN nicht vorhanden. Schließlich bleibt noch der Mehrspielerpart mittels serverbasiertem PBEM-System zu erwähnen. Um in die Lobby gelangen und eine Partie kreieren beziehungsweise einer Partie beitreten zu können, ist eine Registration bei Slitherine/Matrix Games erforderlich. Hier stehen historische Szenarien oder selbsterstellte Schnellgefechte zur Auswahl.

 

Wenden wir uns nun dem Spielinhalt zu. Es gibt in MN vierzehn Schiffstypen, jedoch verzichtet das Handbuch darauf, uns die jeweiligen Besonderheiten und spezifischen Unterschiede zu erläutern. Historische Hintergrundinformationen wären aber durchaus wünschenswert, denn Technik und Taktik der antiken Kriegsschiffe sind selbst eingefleischten PC-Strategen nicht unbedingt geläufig.

Also betrieb ich zunächst ein wenig Recherche: Da es keine weitreichende Artillerie gab, waren die Kriegsschiffe des Altertums vornehmlich auf das Rammen und Entern des Gegners ausgelegt. Nur auf relativ geringe Entfernung konnten Wurfgeschosse, Pfeile oder Brandsätze auf den Feind geschleudert werden. Das Rammen mittels eines sogenannten Rammsporns erforderte ein gezieltes Manövrieren, das nur durch den Einsatz von Rudern zu erreichen war. Segel wurden hingegen meist nur für die Marschfahrt, also zum Überbrücken größerer Entfernungen, verwendet. Die von den Seemächten im Laufe der Zeit entwickelten Schiffsklassen (Bireme, Triere usw.) unterschieden sich vor allem hinsichtlich der Anzahl der Ruderer beziehungsweise der Anzahl der übereinander angeordneten Ruderdecks.

 

Soweit so gut, aber wie läuft nun eine Partie in MN genau ab? Zunächst ist festzustellen, dass die Gefechte im WEGO-Modus ausgetragen werden und die Karten aus Hexfeldern bestehen. Hierbei gibt es jedoch keine fest vorgegebene Anzahl von Runden. Vielmehr endet das Spiel dann, wenn eine Seite mehr als die Hälfte des ursprünglichen Gesamtwerts ihrer Flotte verloren hat, woraufhin die erreichten Siegpunkte beider Parteien verglichen werden. Sieg- und Verlustpunkte errechnen sich in unterschiedlicher Höhe – je nachdem, ob es sich um gesunkene, beschädigte, eroberte oder bewegungsunfähige Schiffe handelt.

Alle Einheiten besitzen sechs Attribute, so zum Beispiel Werte für die Mannschaftsstärke der mitgeführten Infanterie oder für die Qualität der seemännischen Besatzung. Besonders interessant sind die Rumpfstärke des Gefährts, da diese die Widerstandsfähigkeit gegen feindliche Attacken repräsentiert, sowie der Angriffswert, der die Effektivität beim Rammen des Gegners anzeigt. Darüber hinaus führen einige Schiffstypen weitere Ausrüstung mit, durch welche die Basisattribute modifiziert werden. So erhöhen Kampftürme die Wirksamkeit von Bogenschützen, während Katapulte in der Lage sind, den Feind mit Wurfgeschossen zu traktieren. Ebenso zum Arsenal gehören Vorrichtungen zum Verschießen von Brandsätzen, Harpunen mit Enterhaken und eine von den Römern „Corvus“ genannte Enterbrücke, die es der Infanterie erleichtert, auf das Oberdeck gegnerischer Schiffe zu gelangen.

Zudem berücksichtigt das Spiel die militärische Befehlskette. Schiffe werden in Geschwader zusammengefasst und von Kommandeuren geführt. Letztere haben einen Befehlsradius von vier Hexfeldern, wobei sich alle angeschlossenen Einheiten mittels Gruppenbefehl als Verband steuern lassen. Außerdem verfügen Offiziere über jeweils eine spezielle Eigenschaft, die ihrem Geschwader einen Bonus im Gefecht gewährt. So besitzt beispielsweise der Taktiker eine erweiterte Kommandoreichweite, der Segelexperte hingegen ist deutlich flotter beim Setzen oder Einholen der Segel. Dies kann unter Umständen wichtig sein, denn Schiffe sind zwar unter Segeln deutlich schneller, aber auch weniger wendig und zudem im Gefecht verwundbarer.

 

Für alle Einheiten gibt es lediglich zwei mögliche Angriffsbefehle: das Rammen per Rammsporn oder das Festhalten und Heranziehen des Gegners mittels Enterhaken oder ähnlichem Gerät. Im erstgenannten Modus erfolgt das Rammen allerdings nur, wenn der Rumpf eines gegnerischen Schiffes mit dem eigenen Bug von der Seite getroffen werden kann. Falls die Annäherung an den Feind frontal von vorne oder von hinten stattfindet, versucht die Einheit hingegen, während der Vorbeifahrt die Ruder des Verteidigers zu brechen, was dessen Manövrierfähigkeit deutlich einschränkt. Die zweite Methode – das Festhalten und Heranziehen – leitet die Enterung des Gegners ein. Ob solche Aktionen letztlich Erfolg haben, hängt von mehreren der oben erwähnten Faktoren wie etwa der Hüllenstärke, der Geschwindigkeit oder der mitgeführten Ausrüstung der beteiligten Schiffe ab.

Prallen die gegnerischen Flotten aufeinander, lösen sich die Formationen recht schnell in ein unübersichtlich erscheinendes Chaos auf. Hierbei wird es in der Regel notwendig, jedes Schiff manuell zu steuern. Doch Vorsicht: Außerhalb des Kommandoradius eines Offiziers lassen sich keinerlei Befehle erteilen. Allerdings versuchen isolierte Einheiten selbständig, sich wieder dem Führungsschiff anzuschließen. Allzu viele Optionen stehen dem Spieler übrigens nicht zur Verfügung: Man darf die beiden Angriffsbefehle erteilen und die Einheiten beziehungsweise Formationen per Mausklick auf die Karte in die gewünschte Richtung manövrieren. Je nach Szenario und verfügbaren Schiffsklassen ist es allenfalls noch möglich, den Einsatz der Segel eigenhändig zu koordinieren. Alles weitere, wie beispielsweise das Entern oder der Beschuss durch Fernwaffen, verläuft automatisch.

Der aktuelle Zustand eigener wie gegnerischer Schiffe wird über Textfenster vermittelt, die entlang des Rumpfs eingeblendet werden. Durch diese Darstellungsweise wird meines Erachtens die Konfusion noch verstärkt, denn erstens ist in der Hitze des Gefechts nicht immer gleich erkennbar, auf welches der ineinander verkeilten Schiffe sich der jeweilige Text eigentlich bezieht, und zweitens steht die Schrift oft auf dem Kopf, so dass man zur leichteren Entzifferung immer wieder die Karte rotieren muss.

 

Aus dem bisher Gesagten lässt sich unschwer schließen, dass MN keinen allzu hohen Komplexitätsgrad aufweist. Passend hierzu geht die simple Steuerung denkbar leicht von der Hand. Die Grafik wirkt funktional und erfüllt sicherlich ihren Zweck, erscheint jedoch nach meinem Geschmack recht leblos. So wird die Besatzung der Schiffe in Form starrer Stäbchen dargestellt, die irgendwie an Mensch-ärgere-dich-nicht-Figürchen erinnern. Hie und da sieht man Geschosse durch die Luft schwirren, und aus brennenden Schiffen schießen Flammen hervor – eine besondere Schlachtfeldatmosphäre will dabei dennoch nicht aufkommen. Auch Wettereffekte wie Regen oder Nebel sind vorhanden, werden aber niemanden in Erstaunen versetzen. Die ebenfalls unspektakulären Soundeffekte habe ich bald als repetitiv empfunden.

Auf der anderen Seite, so mein Eindruck, ist MN nicht unbedingt im Schlaf zu meistern. Zumindest im Test schien die KI immer das Richtige zu tun, während meine Manöver oftmals ins Leere führten. Nachdem ich in den ersten Probegefechten vom Computergegner ordentlich verprügelt worden war, kam sogar ein gewisser Ehrgeiz in mir auf. Trotzdem muss ich unter dem Strich sagen: Langfristig zu fesseln vermochte mich das Spiel nicht.

 

 

 

 

Systemvoraussetzungen

OS: Windows 64 bits. Windows 7 / 8 / 10

CPU: 1.6 GHz
 
RAM: 2 GB
 
Video/Graphics: DirectX 9.0c compatible video card
 
Sound: Compatible sound card
 
Hard disk space: 1.23 GB Free
 
DirectX version: DirectX 9.0c
 

962 total views, 0 views today

Print Friendly, PDF & Email

Post Author: Mortimer