Neues von der Front! Warplan

screenBlitzartig durchzuckt es uns – Zweiter Weltkrieg! Ein weiterer Titel in einer langen Reihe von Titeln zum entsprechenden Konflikt. Man muss gestehen, dass die Eingangsvoraussetzungen für einen Test besser sein könnten – dennoch ließen wir uns nicht entmutigen und unterzogen Warplan einer intensiven Betrachtung.usk_18

Natürlich werden wir den geneigten Leser jetzt nicht bis zum Schluss auf die Folter spannen. Warplan ist in der Tat ein Titel, den man genauer ins Auge fassen sollte. Denn auch wenn das Setting relativ ausgelutscht erscheint, zeigt sich Warplan als sehr interessantes kurzweiliges Spiel.

Wenn man Strategic Command betrachtet, ist die auch in Warplan gesetzte Kontinuität der Abhandlung des Zweiten Weltkrieges keine Überraschung – wer jedoch die Diskussion um Gary Grigsby’s War in the West verfolgt hat, der weiß, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist. Wenn wir nun zwei Platzhirsche bereits genannt haben, sollte auch Hearts of Iron nicht fehlen – denn auch dort hat Warplan einige Anleihen bezogen.

Eines ist nämlich auch direkt zu Beginn herauszustellen: Warplan bedient sich bei etlichen vorangegangenen Titeln und entwickelt damit einen gleichermaßen vertrauten und doch frisch wirkenden Charakter. Zunächst erinnert die Karte in ihren Grundzügen an die neuesten Teile der Strategic Command Reihe: Hexfeld, detailliert – jedoch nicht so feingliedrig wie die Grigsby-Titel, Beschränkung von einer Boden-/Marineeinheit und einer Lufteinheit pro Hexfeld (in Häfen können Boden- und Marineeinheiten gleichzeitig ein Hexfeld belegen).

Zugleich wirkt die Karte sehr aufgeräumt und tritt angenehm hinter den Einheitencountern in den Hintergrund, was für eine gute Übersichtlichkeit sorgt. Die Menüführung am oberen Bildschirmrand wiederum erinnert rasch an Hearts of Iron: links die Nationalitätenfarben und das Spieldatum gefolgt von den Buttons für verschieden Untermenüs. Diese untergliedern sich in Produktion, Versorgungsrouten, Forschung…

Auch wenn Strategic Command hier ohne Zweifel Pate stand – was natürlich nicht verwunderlich ist, wenn man in Betracht zieht, dass der Entwickler Alvaro Sousa auch Assault on Democracy und Assault on Communism zu verantworten hat – muss man Warplan an einigen Stellen große Achtung zollen, da das eine oder andere merklich verbessert worden ist. Damit ist gemeint, dass manche Dinge bedeutend logischer umgesetzt worden sind. Zum Beispiel werden Versorgungs- und Nachschubpunkte nicht ohne weiteres berechnet, sondern auch Versorgungsrouten mittels Konvois werden dabei einbezogen. Weiterhin bekommen Einheiten nicht einfach Kampferfahrung, sondern können sich auf bestimmte Fähigkeiten spezialisieren – ein sehr gutes Feature, das die starke Individualisierung von Einheiten erlaubt. Dafür sammeln die Einheiten sogenannte Specialty Points, mit 100 dieser Punkte kann dann eine besondere Eigenschaft „erworben“ werden, von denen es insgesamt sechs gibt.

Deutlich verbessert wurden die Verstärkung der Einheiten (der Feldersatz wird automatisch hinzugefügt) und auch die Zuweisung von Nachschub, die durch den Spieler in einem bestimmten Umkreis um Armee- und Heeresgruppenhauptquartiere beeinflusst werden kann. Zudem lassen sich die Luftwaffeneinheiten einer Landoperation zuweisen, sodass diese taktische Unterstützung bekommt. Ein aus War in the East bekanntes Feature wiederum ist der kombinierte Angriff zweier Landeinheiten.

Einziges Manko, das uns aufgefallen ist, ist die relativ große Zeitspanne, die ein Zug einnimmt: zwei Wochen. D.h. der Polenfeldzug müsste historisch korrekt innerhalb von zwei Zügen beendet sein. Der Westfeldzug hätte knapp drei Züge Zeit. Auch wenn natürlich das korrekte historische „Nachspielen“ nicht im Vordergrund des Spiels steht, fühlt man sich dennoch bei weitergehendem Verzug unter Druck gesetzt. Man lehnt sich eben immer an den Tatsachen an, die bekannt sind.

Auch die Forschung hebt sich von Strategic Command ab. Im Gegensatz zu SC verfolgt Warplan die Forschung für bestimmte Einheiten, während SC bestimmte Technologieschwerpunkte vorgibt, die sich dann auf bestimmte Einheiten bzw. deren Ausrüstung auswirken.

Veteranen werden dennoch einige weitere Schnittmengen mit SC finden – unter anderem den Bereich der Diplomatie, in dem man andere (z.B. neutrale) Staaten beeinflussen kann.

Erfrischend anders dagegen gestaltet sich der Seekrieg – hier werden erhebliche Verbesserungen deutlich. Zuerst: man kann mehrere Seeeinheiten zusammenfassen und so Flotten bilden. Diese nehmen nicht vollständig das Feld ein, in dem sie stehen. Vielmehr müssen gegnerische Einheiten die Flotte erst einmal „finden“ bevor sie angegriffen werden kann. Dieser kleine, aber doch sehr wirkungsvolle Zwischenschritt bewirkt eine spürbar realistischere Seekriegsoption, da so keine „automatischen Treffer“ im Seekrieg entstehen.

Ebenso ist die Möglichkeit Handelsrouten zu generieren eine gute Möglichkeit zusätzliche Rohstoffe für die Produktion zu gewinnen. Nicht wenige werden hierbei rasch an Hearts of Iron denken – hier gibt es eine ähnliche Option.

Den Schwierigkeitsgrad haben wir nicht in allen möglichen Stufen getestet. In der Regel liegt bei vielen Titeln hier der Hund begraben. Besonders erfreulich ist in jedem Fall, dass die Schwierigkeit auf zwei Ebenen in vielen Stufen geregelt werden kann.

Auch auf normaler Schwierigkeit stellt sich die KI nicht spürbar ungeschickt an – sie agiert zunehmend logisch (gegenüber einer starken offensiven Wehrmacht). Gleichwohl muss bemerkt werden, dass es sich wahrscheinlich so subjektiv wie immer erweisen wird – wer einmal die Strategien der KI durchschaut hat und ihr Verhalten kennt, wird immer auch einen Weg finden, sie effektiv zu schlagen. Daraus resultieren dann erheblich unterschiedliche Einschätzungen der Spielstärke. Mithilfe der folgenden – oben bereits erwähnten Einstellungen kann man jedoch der KI (oder sich selbst auch, jedoch eher weniger) erhebliche Vorteile verschaffen, um so auch fortgeschrittenen Spielern noch ein herausforderndes Spiel zu ermöglichen.

Darüber hinaus gibt es noch die Möglichkeit statt gegen die KI gegen einen menschlichen Gegner anzutreten. Warplan unterstützt Slitherines serverbasierten Multiplayermodus! Gleichzeitig ist auch ein uralter aber gleichwohl manchmal ziemlich unterschätzter Modus enthalten: Hotseat. Ja, ihr habt richtig gelesen – Warplan hat einen Hotseat-Modus, der Euch gegen Euch selbst oder einen Freund am gleichen PC spielen lässt. Toll!

Nachdem wir mit dem optischen Auftritt die Betrachtung begonnen haben, wollen wir mit dem Sound enden. Die musikalische Umrahmung ist stimmig , geht jedoch keine ganz neuen Wege – auch die Soundeffekte sind solide und sind eine passende Ergänzung. Die Qualität ist hervorragend und wird der Gesamtpräsentation mehr als gerecht.

 

 

Publisher: Matrixgames

Systemvoraussetzungen

Windows 7/8/10

CPU SSE2 unterstützt

Grafikkarte (DX 10)

500 MB freier Festplattenspeicher

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Post Author: Longstreet