Civil War II

c6181a463173a29f20d06ae2ced7a59bNach der Ankündigung haben Ageod/Matrix Games/Slitherine auch mit dem Release ein historisches Datum des Bürgerkriegs getroffen. Der 17. September war der Vorabend der Schlacht bei Chickamauga. Hier verhinderte George Thomas mit übermenschlicher Ruhe eine vernichtende Niederlage für die Armee der Nordstaaten. Sein überlegtes Handeln und der geordnet durchgeführte Rückzug brachten ihm den Spitznamen „The Rock of Chickamauga“. Dieser Ehrentitel wird auch durch seine physische Erscheinung verdeutlicht – Thomas war ein ausgesprochenes Schwergewicht.

usk_18

Auch Ageod liefert mit Civil War II ein wahres Schwergewicht ab. Civil War II ist ohne Zweifel die komplexeste, historisch umfassendste und äußerst sorgfältig recherchierte strategische Simulation des Bürgerkrieges. Dazu hat Ageod den schon eindrucksvollen Vorgänger um einige spannende und durchdachte Elemente erweitert. Doch fangen wir ganz von vorne an.

Die Installation läuft mit dem bewährten Matrix-Slitherine-Installationsmanager. Dem hat Ageod seinen Stempel aufgedrückt, indem man nicht nur im Manager den Key eingeben darf, sondern direkt nach Abschluss im Ageod-typischen Registrationsmenü gleich noch einmal. Wer Spiele der genannten Hersteller kennt, wird sich direkt heimisch fühlen. Die Installation lief auf unserem Testrechner reibungslos – die Dauer ließ den gewachsenen Umfang von CW II erahnen. Gleichwohl muss man auf den Genuss der ersten Herausforderungen nicht lange warten.

Nachdem Spielstart liegt einem sogleich der vertraute Sound des Vorgängers im Ohr. Dies ist nicht von Nachteil, da man hier wenige Chancen hatte, etwas noch besser zu machen. Die gespielten Titel sind authentisch und verleihen dem Spiel gleich eine akustisch einwandfreie Atmosphäre.

Obwohl mit dem Vorgänger bereits vertraut, interessieren uns natürlich trotzdem die Tutorialmissionen. Die meisten Spieler identifizieren sich mit einer der Seiten und man möchte natürlich nicht die ersten herben Niederlagen einstecken, nur weil man sich erst im Spielmenü zurechtfinden muss. Das Szenario ist identisch mit dem Tutorialszenario aus AACW und behandelt den Shiloh-Feldzug. Dennoch erwartet uns beim Start des zweiten Lernkapitels eine kleine Überraschung – wir dürfen den Süden spielen – das ist neu und freut uns. Nicht nur den Neulingen sei unbedingt das dritte Kapitel empfohlen, da hier die neuen Elemente erklärt werden.

 

Dies trifft zuerst auf das Rekrutierungsmenü zu. Ageod hat CW II mit einem eigenen Rekrutierungsmodus versehen, der sich bereits bei Alea Jacta Est/Birth of Rome, 1917 – Der Aufstand sowie Pride of Nations angekündigt hat. Insgesamt ist die Idee nicht schlecht, führt jedoch zu einigen Verwirrungen. Zur Reduzierung der Einheitenauswahl gibt es die Eingrenzung nach Einheitentyp (Infanterie, Kavallerie usw.) oder nach geographischen Regionen (Tiefer Süden, Südwesten, mittlere Atlantikküste, Neuenglandstaaten). Gut gedacht, doch in unseren Testspielen auf beiden Seiten mussten wir immer wieder suchen, zu welcher Region gerade der Staat gehörte, für den wir neue Einheiten haben wollten. Dafür stellte sich zu Beginn der Kampagne heraus, dass man erfreulicherweise in South Carolina bereits direkt vom Anfang an erste Rekrutierungen vornehmen kann. Ein großes Kompliment gilt den Machern, dass der Spieler die Einheiten selbst platzieren darf. Das lange Gesuche, wo denn die in der letzten Runde ausgehobene Einheit nun aufgestellt worden ist, gehört der Vergangenheit an. Zusätzlich zu den aus dem Vorgänger bekannten Einheiten sind nun noch mehr Spezialeinheiten zur Kampfunterstützung enthalten. Speziell genannt seine hier die Pontonpioniere. Unter AACW-Spielern gab es seinerzeit manches Mal interessante Ausführungen über den Nutzen von Seeleuten und Marines – besonders um die Nachteile bei Gewässerübergängen zu verringern. Civil War II macht es an dieser Stelle etwas einfacher. Die Spezialisten sind nun nach unserem Empfinden leichter zu identifizieren.

Alle Einheiten haben sehr schön gezeichnete Darstellungen für die Counter. Einzig bei den Generalen sind leichte Schwankungen erkennbar. Der strohblonde Irwin McDowell sei hier stellvertretend genannt für all diejenigen, die wir aus AACW doch in etwas anderer Darstellung in Erinnerung hatten. Da wir gerade bei den Einheiten sind, gibt es noch eine Neuerung zu vermelden: Divisionen lassen sich bereits im Sommer 1861 aufstellen und nicht erst ab Herbst wie in AACW. Im gleichen Atemzug muss man jedoch eingestehen, dass ein inoffizieller Patch notwendig war, um die ordentliche Funktion der Korps zu gewährleisten.
  

Eine weitere Neuerungen sind die Regionalentscheidungen; doch wer denkt diese werden nur im PBEM oder für den Spieler selbst interessant, irrt. Auch die KI beherrscht das Spiel mit diesem Element. Man sollte also die Augen offen halten, wo plötzlich Demonstrationen, Partisanen, Hinterhalte oder Spionagemaßnahmen angezeigt werden. Vor allem in den Grenzstaaten können z.B. die Demonstrationen rasch sehr störend wirken. Aber auch der Zugewinn einiger Siegpuntkte durch die Einrichtung einer Telegrafenlinie ist nicht uninteressant. Hervorzuheben ist auch die Möglichkeit, die Infrastruktur zu verbessern: man kann Pfade bzw. unbefestigte Wege errichten, diese zu Straßen ausbauen oder auch Waldgebiete roden. Dies festigt dann die Loyalität und teilweise den Einfluss im betreffenden County. Ebenso darf man feindliche Gebiete plündern und brandschatzen oder bei zu geringer Freiwilligenzahl auch mal Einberufungen durchführen (Drafts).

Sehr umstritten ist in diesem Bereich die sogenannte „Hand Gottes“ – die Regionalentscheidung „Raue See“, die dem Spieler ermöglichen soll, gegnerische Flotten schwer zu schädigen. Bereits in der Betaphase wurde diese Möglichkeit sehr heftig diskutiert und man hat seitens Ageods eingeräumt, dass dieses Ereignis über kurz oder lang nicht mehr zum Tragen kommen soll. Ob es entschärft oder komplett entfernt wird, ist aktuell nicht bekannt. Im Forum wurde mehrfach darauf hingewiesen und die rasche Bearbeitung zugesichert.

Wie bereits angekündigt ist die neue Karte ein großartiges Prachtstück geworden. Sie ist erheblich erweitert worden und vom Stil her klar ein Abkömmling der Pride-of-Nations-Karte. Mit viel Aufwand sind ansprechende Elemente auf der Karte gelungen: die bekannten Boxen für jenseits der Kartengrenze gelegene Regionen (Frankreich/Großbritannien, die Westküste und natürlich die Seezonen). Einen kleinen Nachteil hat die neue Karte dennoch. Aufgrund der hohen Farbintensität aller grafischen Objekte sind manchmal die Marschrouten der Einheiten schwer erkennbar. Zudem wäre es sinnvoll, wenn erst mit dem Sezessionsevent die Flaggen auf die der Südstaaten geändert werden würde. Da Ageod sehr viel Engagement gezeigt hat, um CW II möglichst korrekt erscheinen zu lassen, sollte diese Kleinigkeit durchaus zu schaffen sein. Zur Navigation der Flussflotten sowie für die Bewegungen der Armeeeinheiten eignet sich die Karte hervorragend. Neue strategische und taktische Herausforderungen stellen die weiten Gebiete westlich des Mississippi dar, die viel Raum für bewegliche Kriegsführung bieten. Die Chance der größeren Karte wurde auch dazu genutzt die alte Neueenglandbox aufzulösen und die Neuenglandstaaten im Detail darzustellen. Auch wir haben nicht sogleich erkannt, dass auch einige Counties in Virginia geändert worden sind. Die Änderungen sind zunächst marginal, können sich aber durchaus enorm auf die Strategie auswirken.

Nachdem wir uns nun mit den zahlreichen Neuerungen und der Grafik befasst haben, müssen wir uns der KI zuwenden. Bereits frühzeitig wurde in der Community die Befürchtung geäußert, dass die KI auch im Nachfolger ziemlich planlos agieren könnte. In unserem Test mit den Südstaaten gelang es uns jedoch nicht, die Verteidiger von Washington in die Irre zu führen – auch wenn es anfangs den Anschein hatte. McDowell versuchte umständlich die Armee Joseph E. Johnstons im Shenandoahtal anzugreifen und entblößte dabei die Hauptstadt Washington. Mit einem Grinsen im Gesicht nutzten wir den Vorteil der inneren Linie und konzentrierten sowohl Beauregards Armee als auch die Armee Johnstons im Vorfeld der Unionshauptstadt.

 Doch wie sehr musste wir beim Angriff auf Washington überrascht erkennen, dass die Verteidiger durchaus in der Lage waren diesen ersten Ansturm abzuwehren. Auch McDowell wurde mitsamt der Armee unverzüglich zurückbefohlen und griff in die Kämpfe ein. Es hat also durchaus den Anschein, als ob die KI nicht so planlos und verworren agiert wie bisher. Veteranen, die nach den ersten Minuten denken, dass alles beim Alten wäre, werden wohl doch die eine oder andere kleine Überraschung erleben dürfen. Dennoch darf man nicht vergessen, dass die KI eine von Menschen erdachte Routine ist, die natürlich von Menschen geschlagen werden kann. Seinen größten Reiz entfaltet CW II ohne Zweifel in der Auseinandersetzung zwischen mehreren Spielern. Einen kleinen Ausblick auf die Nordstaaten-KI haben wir eben gegeben, nun wenden wir uns noch kurz der Südstaaten-KI zu, die im Vorgänger häufig selbstmörderische Raids in den Norden unternommen hat. Diese Einbrüche abzuriegeln war meist nicht sonderlich schwer und die Kampfkraft der konföderierten Verbände ging rasch in den Keller. Überraschung, auch hier hat die KI einige Änderungen erfahren. In unserem Testspiel gingen zwei Kampfstarke verbände behutsam aber stetig über die Berge in West Virginia vor, um Pittsburgh und die Verbindung zwischen Ohio und Pennsylvania zu bedrohen. Dabei setzte die KI nicht so sehr auf Geschwindigkeit, sondern sicherte durch den Einsatz von zwei Verbänden auch die Offenhaltung der Nachschubwege ab. An diesen Nebenkriegsschauplatz die nötigen Truppen zur Abriegelung zu bringen gestaltet sich gar nicht so einfach. Der Druck auf Washington in Form der Armeen Beauregards und Johnstons blieb unvermindert bestehen. Dennoch bleibt die KI eine der Schwachstellen in dem ansonsten eindrucksvollen Titel  [SCREEN:7]
 

Neben der Hauptkampagne findet sich das völlig neue Szenario um H.H. Sibley in New Mexico. Dieses Szenario ist natürlich sehr begrenzt, bietet aber dennoch einen hohen Reiz, da neben den beiden Kriegsparteien auch Indianer ordentlichen Wirbel machen. Kaum hat man einen Bereich erobert und setzt dem Gegner nach, kommen die Roten Männer und zerlegen kurz das frisch „erworbene“ Fort mitsamt Besatzung. Auch die Nachschubwege zu halten, ist in dieser doch sehr feindlichen Umgebung eine echte Herausforderung. Ohne Zweifel eine spannende Bereicherung.

Den „Multiplayermodus“ wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten. Dieser funktioniert ebenso wie im Vorgänger. Der Host-Spieler erstellt ein Spiel, wählt seine Fraktion und sendet dann die *.TRN Datei an seinen Gegner. Wer also die USA selbst spielt, sendet die CSA.TRN an seinen Gegner oder eben anders herum. Nachdem beide Spieler ihre Befehle gegeben haben, wird gespeichert und die daraus entstandenen *.ORD Dateien werden beim Host zusammengeführt. Der Host löst dann das Rundenende aus und das ganze beginnt von vorn. Veteranen werden mit dieser Mechanik sofort vertraut sein.

Ein letzter Blick soll der Spielebox gelten: auch hier haben sich Ageod/Matrix/Slitherine nicht lumpen lassen und geklotzt: ein farbig gedrucktes Handbuch von knapp über 120 Seiten bietet dem Käufer einen ersten umfassenden Überblick. Gleichwohl gehört auch CW II in die Kategorie leicht zu spielen, schwer zu meistern. Man wird ständig immer neue Kleinigkeiten finden, die den Schlachtverlauf vielleicht doch noch positiv beeinflussen können.
Für alle Hobbygenerale, die zudem am amerikanischen Bürgerkrieg Interesse haben ist Ageods Civil War II ein neuer Meilenstein, den man nicht verpassen sollte. Alle, die nach einem Strategiespiel um den Bürgerkrieg suchen, sollten beherzt zugreifen. Mit Civil War II erhält man in jedem Fall ein Spiel mit Tiefgang, hoher Authentizität, hervorragendem Anspruch und einer trotz der erschlagenden Detail- und Informationsmenge sehr guten Zugänglichkeit. Zudem garantiert Civil War II die entsprechende Langzeitmotivation, dafür sorgen die Szenarios, die ständig neuen Situationen und Möglichkeiten, die PBEM-Partien und natürlich die Community der Spieler. Wenn der bewährte Ageod-Support auch hier (wie bei den letzten Titeln) seine Arbeit fortsetzt, dann ist Civil War II das neue Juwel im Portfolio der Spieleschmiede.

 

 

Systemvoraussetzungen

  • Windows XP/Vista/7/8
  • Pentium 4 oder höher
  • RAM: 2 GB
  • VIDEO: 1024 MB Grafikkarte
  • 3 GB HDD

 

 

 

 

1,252 total views, 2 views today

Post Author: Admin

Schreibe einen Kommentar