Close Combat – Gateway to Caen

b0a207ef845a8a7b1bc736d4165ccaa3„Der wohl größte Fehler ist, dass Montgomery am Tage D Caen nehmen soll. Das schafft der niemals.“ – George S. Patton in Patton – Rebell in Uniform

 Mit diesem Kommentar des amerikanischen Generals Patton über den Plan zur Landung in der Normandie sind wir mitten im Geschehen.

 

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. Close Combat – Gateway to Caen hat die britische Operation EPSOM, die erste Schlacht an der Odon, zum Inhalt. Das britische VIII. Korps unter General Richard O’Connor trug die Hauptlast der Kämpfe auf Seiten der Alliierten. Die drei Divisionen – die 11. Panzerdivison, die 15. „Scottish“-Division und die 43. „Wessex“-Division – waren gut ausgebildete aber noch wenig kampferfahrene Einheiten. Ihnen gegenüber stand die 21. Panzerdivision, die Panzer-Lehr-Division und die 12. SS-Panzerdivision Hitlerjugend, die durch die vorangegangen Kämpfe in der Normandie bereits mehr oder weniger schwer angeschlagen waren.

Während der ersten Stunden des 26. Juni 1944 machte die Offensive gute Fortschritte, wurde jedoch spätestens am zweiten Tag nahezu zum Stehen gebracht. Ein heftiger Gegenangriff der Deutschen unter Einsatz der gefürchteten Tiger-Panzer verhinderte ein weiteres Vorankommen. Bereits am 30. Juni brach O’Connor die Operation ab. Obwohl EPSOM ein Fehlschlag war, gelang es doch einem deutschen Großangriff zuvor zu kommen und den deutschen Divisionen empfindliche Verluste beizubringen.

Zum Spiel selbst: Gateway to Caen ist eindeutig ein zweischneidiges Schwert. Die Grafik und die Detailtreue sind äußerst realitätsnah. Die Darstellungen von Bodenverhältnissen, Gebäuden, Bäumen, Büschen und natürlich auch der Einheiten ist sehr präzise und gelungen. Dennoch darf man nicht verschweigen, dass die Engine der Close Combat-Reihe nur sehr geringe Veränderungen durchgemacht hat. Gateway to Caen ist laut Aussage von Slitherine das letzte Spiel mit der bekannten Engine. Diese soll für The Bloody First einer 3D Engine weichen. Diese Ankündigung macht natürlich neugierig – wir wollen aber dennoch zunächst bei Gateway to Caen bleiben. Neben der feingliedrigen Grafik lässt auch der Sound keine Wünsche offen – die Soldaten der verschiedenen Nationalitäten äußern sich in der jeweiligen Landessprache und es ist sogar darauf geachtet worden, dass sich keine amerikanischen Akzente in die Reihen der britischen Regimenter mischen. Ebenso typisch sind die Waffengeräusche, die sich immer eindeutig zuordnen lassen und so die Charakteristika bspw. des MG-42 oder der 8,8 oder auch der cal .50 Maschinengewehre gut abbilden.

Wie gehabt gestaltet sich die Steuerung übersichtlich und einfach zu erlernen – auch nach längerer Pause findet man sich umgehend wieder in der vertrauten Menüführung wieder. Mittels eines Rechtsklicks auf eine Einheit öffnet man das Auswahlmenü, wählt die gewünschte Aktion und zieht einen Cursor auf den gewünschten Zielpunkt. Durch die Auswahl dreier Knöpfe für Artilleriebeschuss, Feuerunterstützung durch schwere Mörser oder durch Luftangriffe setzt man den entsprechenden Markierungspunkt und der Angriff wird umgesetzt.

Im Spiel stehen verschieden Gefechtsarten zur Auswahl: zunächst die Einzelgefechte, eine zusammengefasste Zahl von Gefechten einer Operation oder aber eine von sechs größeren Kampagnen. Ebenso ist in allen Gefechten die Seite zu wählen – Alliierte oder Deutsche. Häufig wird darauf hingewiesen, dass bestimmte Gefechte hauptsächlich für eine Seite vorbereitet wurden. In den großen Kampagnen startet das Spiel auf einer Übersichtskarte, die in kleinere Abschnitte aufgeteilt wurde. In diesen Abschnitten postiert der Spieler seine Streitkräfte und legt jeweils fest, ob sie angreifen, regenerieren oder umgestellt werden sollen. Ebenso wird auf dieser großen Karte das Unterstützungsfeuer zugewiesen – es wird festgelegt in welchem Gefecht welche Feuerunterstützung zur Verfügung stehen soll.

Nun beginnt die Gefechtsphase – hier liegt wie in allen Spielen der Close Combat Reihe der Schwerpunkt. Mit den zuvor ausgewählten Einheiten müssen nun die Ziele des Szenarios erreicht werden. Dafür sollte man sich seine Einheiten gewissenhaft ausgewählt haben, denn ein reiner Panzerangriff in stark bebautem Terrain kann durchaus in einem herben Fiasko enden. Andererseits ist die Abwehr eines Angriffs mit starken gepanzerten Einheiten durch reine Infanteriekomponenten ein sehr schwieriges Unterfangen. Auf der Szenariokarte ist es das Ziel durch geschicktes Taktieren mit den gewählten Einheiten den Gegnern zum Rückzug zu zwingen oder gar völlig aufzureiben und daneben die gesetzten Siegmarkierungen zu erobern.

Eine wichtige Besonderheit bei allen Close Combat Spielen ist die sehr detaillierte Abbildung der einzelnen Soldaten. Dabei ist jedoch nicht an die graphische Darstellung gedacht sondern an die Einbeziehung der Eigenschaften der Kämpfer: Kampferfahrung, Ausdauer, Führungsstärke und Moral. Jede Handlung hat Auswirkungen auf diese Eigenschaften, Ausdauer verringert sich durch den Grad der Erschöpfung, Moral sinkt durch Verluste oder steigt durch Erfolge auf dem Schlachtfeld, Munitionsbestände sinken durch langwierige Feuerkämpfe. Alle diese Faktoren gilt es bei der Auftragserfüllung zu bedenken, den unbedachte Aktionen werden die Soldaten unter Umständen sogar durch Gehorsamsverweigerung quittieren. Durch die hohe Flexibilität in der Zusammenstellung der Truppen, die zahllosen Möglichkeiten, Wege zum Ziel zu finden und den möglichen Wechsel der Seiten hat Gateway to Caen einen hohen Wiederspielwert. Nicht zu vergessen sei natürlich auch der Ansporn, das Ergebnis des vorangegangen Gefechts deutlich zu verbessern.
Wenn wir nun zur KI kommen, stoßen wir leider auf den großen Schwachpunkt des Spiels. Während die KI im Rahmen der Verteidigung noch recht akzeptabel operiert, kann man im Angriff davon ausgehen, dass die KI Erfolge nur feiern könnte, wenn sie über eine starke Übermacht verfügt und der menschliche Spieler noch zahlreiche Fehler fabriziert. Einen zusammenhängenden abgestimmten „Angriffsplan“ darf man nicht erwarten.
Natürlich wartet Gateway to Caen neben den traditionellen Elementen der Close Combat Reihe auch mit einigen Neuerungen auf: so zum Beispiel mit der Möglichkeit unterstützendes Artilleriefeuer als Feuerwalze auszuführen, Panzerabwehrkanonen vor der Schlacht zu tarnen und einzugraben sowie natürlich zahlreichen neuen Fahrzeugen und Ausrüstungen. Zudem bietet Gateway to Caen ein unverbrauchtes Szenario – bisherige Schwerpunkte waren weit bekanntere Operationen wie die Landung in der Normandie selbst oder aber die deutsche Ardennenoffensive.

Ein besonderes Schmankerl ist sicher der mitgelieferte Editor, mit dessen Hilfe man ganze Kampagnen vollständig zusammenstellen kann. Hier kann man sich der gesamten Palette an Fahrzeugen und Einheiten bedienen, um ein maßgeschneidertes Gefecht oder eine anspruchsvolle Kampagne neu entstehen zu lassen. Die Bedienung gestaltet sich auch hier per Drag&Drop sehr einfach.
Zusammengefasst ist zu sagen, dass Gateway to Caen die Tradition der Close Combat Reihe in gewohnter Weise fortsetzt. Durch die Detailtreue bekommt der Spieler einen guten Zugang zu den Kämpfen und fühlt sich sehr eingebunden, da die Soldaten eben nicht wie Maschinen funktionieren sondern durchaus einen gewissen „Überlebenswillen“ abbilden. Einerseits ist Gateway to Caen eine schöne Ergänzung in der Reihe der bisher bereits veröffentlichten Schlachtfelder – aufgrund der geringen Veränderungen ist es jedoch gut möglich, dass die alten Hasen erst mit der neuen Engine wieder stärker motiviert werden, sich mit Close Combat zu beschäftigen.

 


 

 

Systemvoraussetzungen

  • Win XP SP2+/Vista/7/8
  • CPU 800 MHz
  • RAM 1 GB (2 GB emfpohlen)
  • Grafikkarte 256 MB (512 MB empfohlen)
  • HDD 2.5 GB

 

 

 

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