Anno 1404

228d3d1c801378322a3e59441956e3d2Die Mass-Effect-Trilogie geht in die zweite Runde und soll nach eigener Aussage der Rollenspiel-Experten von Bioware deutlich mehr Action bieten als der Vorgänger und trotzdem durch seine einzigartigen Rollenspielelemente eine willkommene Abwechslung um normalen Shooter-Alltag bieten. 

 

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Mit dem Untertitel “Erschaffung einer neuen Welt…” dürfte man wohl jeden Teil der sehr bekannten Aufbau-Strategiereihe in kurzen Worten beschreiben können.

 

Die Kampagne dient ab der ersten Mission als eine Art Tutorial. Neueinsteiger werden in die Thematik von Anno eingewiesen und man bekommt einen guten Einblick, welche Gebäude man benötigt um gewisse Dinge zu erhalten.

Die Story der Kampagne selber befasst sich anfangs mit der Unterstützung beim Bau eines Domes für den kranken Herrscher. Im Laufe seiner Bemühungen wird man als Baumaterialbeschaffer für ein Heer auserkoren, denn ein Kreuzzug befindet sich bereits in der Endphase und die Schiffe warten nur noch auf Truppen und Waffen. Ihr Ziel? Der Orient!

Wenn man jetzt denkt, dass man an vorderster Front gegen den Orient antritt, dann hat man wohl das Spielprinzip von Anno missverstanden. Nachdem ihr euch auch auf den Weg in den Orient gemacht habt, macht ihr euch eher daran, mit eurem neuen Nachbarn gut zu tun. Fortan versucht ihr mit euren neuen „Freunden“ zu handeln. Als Gegenleistung bekommt ihr sogar die Möglichkeit geboten auf die Architektur des Orients zuzugreifen.

 

Das Spielprinzip bleibt der Reihe eigentlich stets Treu. Daher gibt es auch in diesem Teil der Anno-Reihe Zivilisationsstufen. Es gibt bis zu vier Stufen, in denen man aufsteigen kann. Wenn man sich ebenso für die orientalischen Freunde entscheiden sollte, so warten sogar noch zwei Stufen der Zivilisation mehr auf den Spieler, um die dieser sich zu kümmern hat.

 

Das Prinzip dieses Stufensystems erklärt sich fast wie von selber. Es gilt ständig die Bedürfnisse des Volkes zufrieden zu stellen, um im Spiel Erfolg zu haben und letzten Endes zum Erfolg zu kommen. Je nach Zivilisationsstufe hat das Volk andere Interessen und Wünsche. Mit der Aufstufung der Klasse des Volkes steigt auch die Vielfalt an zu bauender Gebäude.

Auch dies wurde logisch aufgebaut und umgesetzt, da beispielsweise die erste Zivilisationsstufe, die Bauern, mehr an der Gemeinschaft sowie dem Glauben interessiert sind, als vielleicht die Adeligen, welche die letzte und höchste Stufe der Zivilisation im Anno-Universum darstellen.

Keine Zivilisationsstufe haben dieselben Bedürfnisse und Wünsche. Genau das macht Anno abwechslungsreich und spannend! Man hat ständig etwas zu tun, wenn man seine Wirtschaft nicht an sein Volkswachstum anpasst, wird man frühzeitig bemerken, dass einen die Zeit sehr schnell einholt und wie aus der blühenden Wirtschaft eine Wirtschaftskrise folgen kann.

Man kann die Bedürfnisse selber in zwei Kategorien einteilen. Zum einen der Warenteil, welcher sich mit der Thematik der Nahrung, Getränke, Kleidung sowie Besitz befasst. Zum anderen gibt es noch die Gebäudebedürfnisse, welche das Volk an den Spieler setzt. Diese beinhalten jegliche Gebäude, die mit Gemeinschaft, Glauben, Sicherheit und Vergnügen in Verbindung gesetzt werden.

Sehr viel Spieltiefe bietet auch die große Anzahl an Waren, welche hergestellt werden.

Einzelne Ressourcen kann man zu einer Art halb fertiges Zwischenprodukt verarbeiten, welches man an ein anderes Volk verkaufen kann, die das weiter bearbeiten können. Andere Ressourcen hingegen kann man selbst bis zur Vollendung verarbeiten und ins Umfeld bringen.

Gerade diese Vielfalt sorgt für eine Menge Spielinhalte. Wenigstens hat man hier dieses Warenmanagement ernst genommen und nicht versucht der Fangemeinde ein halb fertiges Produkt zu präsentieren.

Durch dieses sehr aufwendige System mit vielen Waren hat der vierte Teil sogar seinen Vorgänger Anno 1701 um das doppelte geschlagen.

Ebenso schön anzumerken ist es, dass man nicht bereits in der ersten Zivilisationsstufe ins kalte Wasser geworfen wird. Denn mit den Bedürfnissen des Volkes steigt auch die Warenvielfalt, die auf den Spieler zukommt. Zum Beispiel stellen gerade die Adeligen den Spieler des Öfteren vor eine schwierige Aufgabe. Diese wollen unter anderen neben Brot und Gewürzen noch eine extra Wurst haben wie beispielsweise Fleisch. Damit dies auch bewerkstelligt werden kann muss der Spieler großes wirtschaftliches Planungsgeschick an den Tag legen. Denn man muss stets auf die Auslastung der einzelnen Betriebe achten und dass diese auch beliefert werden, damit die Produktion in bestmöglichster Form ausgenutzt werden kann.

Damit dem Spieler auch hier für das gewisse Maß an Abwechslung geboten wird steigt mit der Bewohnerzahl des eigenen Volkes auch das Bedürfnis nach gewissen Luxuswaren unter dem Adel. So wird es wohl nicht die Seltenheit sein, dass nach Duftwasser verlangt wird. Dieser Forderung sollte man allerdings schon nachkommen, da sonst das Wachstum einfrieren könnte. Und solange das eigene Volk zufrieden ist, werden diese auch den Zahlungen der Steuern ohne Einsprüche nachkommen. Denn eins sollte gesagt sein, neben der Wirtschaft ist auch die Kriegsführung kein billiges Geschäft und bedarf konstanter, möglichst hoher, Steuereinnahmen.

 

Es ist logisch, dass keine Gemeinschaft nur aus dem Adel besteht. So wird auch bei Anno 1404 nach einem Zivilisationsaufstieg stets ein kleiner Bevölkerungsteil den unteren Stufen angehören. Dies sorgt für ein zusätzliches Flair an Realismus.

Zudem befasst sich der vierte Teil jetzt sogar mit einer Untergruppierung der Gesellschaft, den Bettlern.

Man kann also kurz sagen, desto größer die eigene Stadt wird, desto größer wird die Anzahl der ungebetenen Gästen. Erstmals hat man aber die Möglichkeit über diese ein wenig zu entscheiden. Beispielsweise kann man die Menge an Bettlern bestimmen, welche auf euren Straßen betteln gehen dürfen oder in besagten Armenhäuser rasten, und das alles hinter euren Mauern.

Auch bei dieser Option muss der Spieler mit Abwechslung rechnen, denn nur eine stupide auswählen der Masse würde keinen Spielspaß bieten. Daher kann es vorkommen, dass wenn man zu viele Bettler vor seinen Toren im Regen stehen lässt, sich diese gegen den Spieler wenden. Kurz gesagt, eine schar von Bettlern rauft sich zu Gesetzlosen zusammen, bilden eine kleine Meute und versuchen mächtig für Unruhe zu sorgen. Getreu dem Motto „Was man nicht geschenkt bekommt, holt man sich eben mit Gewalt“ besetzen diese ganze Inseln oder legen einzelne Betriebe lahm. Dies könnte für lästige Momente sorgen, wenn der Adel dem Spieler im Rücken hängt, weil dieser sein Duftwässerchen nicht rechtzeitig bekommt.

Was also tun? Hierbei bleibt dem Spieler auch die Qual der Wahl. Versucht man diese Krise einfach auszusitzen in der Hoffnung, dass die Banden keine Lust mehr darauf haben Tumult zu stiften? Oder bezahlt man diesen lieber ein Lösegeld oder gewährt diesen doch Einlass die die heiligen Mauern und gebt somit auf diese Weise klein bei? Falls dem Spieler diese Varianten jedoch so gar nicht gefallen kann man auch auf die gute alte brachiale Methode, der Kriegsführung, zurückgreifen. Denn wenn man schon über ein Militär verfügt kann dieses auch nutzen, bevor diese nur vor langweile in den eigenen Tavernen sitzen.

Um ständig auf dem Laufenden zu sein, in wieweit die Bedürfnisse erfüllt sind, kann man bequem auf ein Kreisdiagramm zurückgreifen. Auf dieses Diagramm kann man beispielsweise zugreifen, indem man ein Gebäude seiner Wahl anklickt. Dort erfährt man dann, was noch benötigt wird, um sein Ziel zu erreichen.

Auch wieder in diesem Teil der Anno-Reihe ist es dem Spieler möglich gewisse Handelsrouten zu erstellen, so dass man seine Schiffe nicht ständig selber manövrieren muss. So wird die Wirtschaft um einiges leichter laufen, indem man seinen Schiffen nur den Befehl gibt „Hol Gewürz von Insel B und bring es nach Insel A“.

Das Prinzip funktioniert auch ziemlich gut, denn man kann so viele Handelsrouten erstellen und auch namentlich versehen, wie man benötigt. Besonders anzumerken ist hierbei, dass man problemlos Schiffe den Routen zuordnen und später auch ohne weiteres wechseln kann. Selbst die zu verschiffenden Waren lassen sich spielerisch auswählen.

 

Grafisch ist Anno 1404 auf dem neuesten Stand der Technik und strahlt in allen Richtungen. Nicht nur mit einer schönen Optik wird getrumpft, sondern der enorme Detailreichtum sorgt nur für Erstaunen.

Nehmen wir beispielsweise mal das Wasser zur Gemüte. Neben dem Wellengang sieht man selbst, wie sich die Sonneneinstrahlung in dem Wasser spiegelt. Desto höher man mit der Kamera vom Geschehen weg fährt, desto größer wird die gespiegelte Fläche. Selbst eine Hand voll Wölkchen versuchen dem Spieler die Sicht ein wenig zu trüben, wenn die Kamera weit entfernt ist.

Zoomt man andererseits mit der Kamera komplett ins Spielgeschehen herein, so wird man einzelne Bausteine, jeden Bürger und das Marktgeschehen erkennen können. Das ist ein weiteres Beispiel dafür, dass man sehr viel Wert auf Details gelegt hat und man sogar an kleinste Dinge gedacht hat. Es ist einfach fantastisch!

Das Kampfsystem selber fällt dagegen leider etwas magerer als das Wirtschaftssystem aus. Auf hoher See gewinnt meistens die Fraktion mit der größeren Flottenstärke, wobei es auch auf die Stärke der Schiffe ankommt. Dies verläuft meist sehr linear und man kann nicht durch taktische Raffinesse versuchen mit einer unterlegenen Flotte einen Sieg zu erringen. Eigentlich Schade!

An Land allerdings hat man keinerlei Möglichkeit mehr Truppen auszubilden und in die Schlacht zu schicken. So wird der Kampf zwischen den Gebäuden ausgetragen, daher ist eine geschickte Platzierung der einzelnen Militärgebäude auch sehr wichtig, wenn man einen Sieg erringen möchte.

Man kann also Stellungen nach belieben ausheben und versetzen, um zum Erfolg zu kommen. Jede Stellung handelt in seinem gewissen Einflussgebiet eigenständig. Dies kann man jedoch beeinflussen, indem man im vornherein der Stellung eine positive oder negative Haltung zuspricht.

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