Across the Dnepr : Second Edition

4f078cdc9924a8b5df6aba38038a5840Across the Dnepr: Second Edition ist der neueste Titel der australischen Entwickler-Schmiede SSG (Strategic Studios Group), welche bereits seit den späten 80’er Jahren PC-Spiele produziert.

 

usk_18

 

 

 

Historischer Hintergrund:

Das Spiel schildert die Ereignisse im Abschnitt der Heeresgruppe Mitte während des Zeitraumes vom 08. bis zum 31. Juli 1941. Vier deutsche Armeen sind angetreten, um den Dnepr bei Witebsk, Orscha und Mogilew zu überschreiten. Im Norden haben die PzGruppe 2 (Guderian) und 9. Armee (Kluge) das Operationsziel Smolensk zugewiesen bekommen – im Süden sollen die PzGruppe 3 (Hoth) und 4. Armee (Strauß) in Richtung Roslawl vorstoßen und anschließend weiter gen Osten marschieren. Smolensk ist das Einfallstor nach Moskau und die schnelle Wegnahme dieses Ziels gilt als Voraussetzung für die siegreiche Beendigung des Russland-Feldzuges vor Einbruch des Winters.

Ihnen gegenüber stehen 42 sowjetische Divisionen, verzweifelt bemüht, den deutschen Angriff aufzuhalten und Stalin die notwendige Zeit zur Einleitung operativer Maßnahmen zu verschaffen. Der Fall von Smolensk wäre fatal, denn von dort aus sind es lediglich 400 km bis zum Kreml und das Hauptquartier verfügt kaum noch über Reserven, die man auf die Schnelle in die Schlacht werfen könnte.

 

Einleitung:

Across the Dnepr II, der Vereinfachung halber nachfolgend ATDII genannt, ist kein Standalone-Produkt, sondern eine Erweiterung des im Jahre 2008 erschienen Titels: Kharkov – Disaster on the Donets. Die ursprüngliche Kharkov-Engine wurde durch das Hinzufügen eines entrench-all-buttons, mit dem sich sämtliche dazu berechtigten Einheiten auf Knopfdruck eingraben können, sowie vier von Spielern kreierte Szenarios marginal aufgewertet – wobei dieses Upgrade auch allen Besitzern des Basis-Spiels in Form eines Patches zur Verfügung steht. Somit beschränkt sich der Lieferumfang von ATDII auf ein einziges Szenario mit 20 Zügen. Das klingt zwar auf Anhieb erst mal nach recht wenig Inhalt für eine Expansion, allerdings ist der Kampf am Dnepr nicht nur um Längen besser als die kostenlosen Fan-Szenarios, sondern schlägt ebenso den Vorgänger hinsichtlich Dauer und Umfang. Hat man auf deutscher Seite zu Beginn etwa 160 Counter zu dirigieren, so summiert sich das, durch hinzukommende Verstärkungen, irgendwann auf nahezu 500 – sofern keine eigenen Einheiten durch Feindeinwirkung verloren gehen. Für wen das jetzt nach sehr viel Mikromanagement klingt, dem sei gesagt, dass man trotz dieser Zahlen nie den Überblick verliert. Das Schlachtfeld gliedert sich in drei Unterabschnitte – Witebsk, Orscha und Mogilew – Truppen lassen sich lediglich innerhalb des ihnen zugewiesenen Bereiches bewegen und sind überdies durch taktische Divisionszeichen auch visuell ihren Verbänden leicht zuzuordnen.

Spielsystem:

ATDII richtet sich eindeutig an Hardcorestrategen, die mit hexfeldbasierter Runden-Strategie, sei es als Brettspiel oder am Computer, bestens vertraut sind. Abstrahiert allerdings, im Gegensatz zu einigen anderen Vertretern dieses Genres, Zahlenwerte weitestgehend durch Symbole und farbige Schaltflächen. Das System ist gewöhnungsbedürftig und benötigt eine gewisse Einarbeitungszeit, danach spielt es sich aber wunderbar flüssig. Wer dagegen mit Begriffen wie ‚Dice Roll Modifier‘ oder ‚Combat Result Table‘ wenig anzufangen weiß, der kann sich auf eine längere Lernphase einstellen. Das englischsprachige, 166 Seiten umfassende Handbuch sollte komplett durchgelesen werden und ist obendrein notwendig, um die acht Tutorials durchzuspielen. Da die Dokumentation leider nur als PDF-Datei vorliegt, muss man, sofern kein zweiter Rechner vorhanden ist, entweder ständig zwischen Spiel und Windows-Oberfläche umschalten, oder sich die entsprechenden Seiten ausdrucken. Gelegenheitsspieler dürften wahrscheinlich am komplexen Regelwerk verzweifeln und sollten von einem Kauf lieber Abstand nehmen.

SSG hatte bereits mit dem Vorgängertitel ein Area-of-Operations (kurz: AO) System implementiert, mit dem sich Einheiten nur innerhalb eines bestimmten Bereiches bewegen können. Das macht es für die KI einfacher, weil sie bei ihren Zügen nicht die gesamte Karte berücksichtigen muss und erlaubt andererseits sogenannte Mystery-Varianten. Variable AO’s, die den Wiederspielwert erhöhen und dafür sorgen sollen, dass nicht jede Schlacht denselben Verlauf nimmt.

Insgesamt macht die KI einen guten Eindruck. Die Verlustrelationen entsprechen in etwa – und sofern das mit so einer Engine überhaupt möglich ist – den historischen Gegebenheiten und die Wehrmacht erhält einen Moral-Bonus, Panzer-Shock-Attack genannt. Der anfängliche Elan wird allerdings nach einigen Zügen dadurch gebremst, dass einige Einheiten keine Munition mehr zur Verfügung haben und eine Runde aussetzen müssen. Wer also meint, dass es hier um einen Waldspaziergang handelt, wird schnell eines Besseren belehrt. Die Gesamtspielzeit würde ich mit etwa 35 Stunden veranschlagen.

Grafik und Sound:

Die Grafik ist für ein Hexfeld-Strategie-Spiel sehr gut. Während ähnlich gelagerte Titel in dieser Hinsicht oftmals ein eher generisches Feeling vermitteln, tragen die schön gezeichnete Karte, sowie die historischen Divisionszeichen in ATDII ungemein zum Flair bei. Man hat nie das Gefühl, einen x-beliebigen Counter mit NATO-Symbolen zu verschieben, sondern bewegt statt dessen Regimenter und Bataillone. Die Hintergrundmusik hingegen passt leider nicht so ganz zu einem Weltkriegs-Szenario.


Multiplayer:

Das gute alte PBEM (Play by E-Mail). Unspektakulär und zuverlässig.
 

Sonstiges:

ATDII ist ausschließlich als US-Version erhältlich. Durchschnittliche Englisch-kenntnisse sollten also vorhanden sein.

 

885 total views, 1 views today

Print Friendly, PDF & Email

Post Author: Admin

Schreibe einen Kommentar