Revolution Under Siege
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Wer schon immer den Russischen Bürgerkrieg am PC ausfechten wollte, aber bisher am mangelnden Angebot verzweifelte, hat nun allen Grund zur Freude: Das französische Entwicklerteam SEP REDS hat sich der in Computerspielen selten bis nie behandelten Thematik angenommen und präsentiert uns nun unter dem Titel „Revolution Under Siege“ eine umfassende Simulation des blutigen Konflikts zwischen „Roten“ und „Weißen“. So ungewöhnlich wie das historische Setting von „Revolution Under Siege“ (RUS) ist auch die Entstehungsgeschichte des Spiels: Letzteres basiert zwar auf der erprobten AGE-Engine aus dem Hause AGEOD, wurde aber nicht von den Profis um Philippe Thibaut und Philippe Malacher programmiert, sondern von einer Gruppe technisch versierter Fans aus der AGEOD-Community. Und um es gleich vorwegzunehmen: Das Resultat ist durchaus als respektabel zu bezeichnen, so daß sich RUS keineswegs hinter bekannten Vorgängern wie „Wars in America“ oder „American Civil War“ verstecken muß.
RUS nutzt im wesentlichen die Anfang dieses Jahres mit „Rise of Prussia“ vorgelegte neueste Version der Spielmechanik, transportiert diese aber nun aus dem Zeitalter der Muskete in das 20. Jahrhundert. Doch bevor wir uns näher mit den Möglichkeiten des Programms beschäftigen, einige Worte über die kriegerische Auseinandersetzung, mit der wir es in RUS zu tun haben. Beim Russischen Bürgerkrieg handelt es sich um einen schwer überschaubaren und in Westeuropa wenig bekannten Konflikt zwischen den im Zuge der Oktoberrevolution an die Macht gelangten Bolschewisten einerseits und einer relativ heterogenen Gruppierung antikommunistischer Kräfte andererseits. Den militärischen Arm der Opposition bildeten verschiedene, nicht einheitlich geführte „Weiße Armeen“, denen die später berühmte, von Leo Trotzki organisierte „Rote Armee“ gegenüberstand. Kompliziert wird die Angelegenheit durch die Tatsache, daß der Russische Bürgerkrieg nicht nur durch die letzte Phase des Ersten Weltkriegs sowie durch den Polnisch-Sowjetischen Krieg (1919-1921) überlappt wurde, sondern darüber hinaus auch die Westmächte und das Deutsche Reich in das Geschehen involviert waren. Selbst über die Dauer des Krieges sind sich Historiker uneins. Manche datieren den Beginn auf die Oktoberrevolution 1917, andere auf das Frühjahr 1918. Im Vertrag von Brest-Litowsk mußten Lenins Kommunisten einen Siegfrieden der Mittelmächte akzeptieren. Deutsche Truppen rückten in breiter Front nach Osten vor, die baltischen Staaten, Finnland und andere Provinzen des bisherigen Russischen Reiches sagten sich von der Sowjetmacht los. Dies war die Stunde der Konterrevolution, die vor allem in Südrußland, Sibirien und an der Wolga Fuß fassen konnte. Aufgrund des deutsch-sowjetischen Ausgleichs sah sich zudem die Entente zum Eingreifen genötigt: Briten, Franzosen, Amerikaner und Japaner landeten unter anderem in Murmansk, Odessa und Wladiwostok. Im Frühjahr und Sommer 1919 kam es zu erfolgreichen Offensiven der Weißen Armeen. Ein Vormarsch auf Moskau scheiterte jedoch letzten Endes. Bis Anfang 1920 eroberte die Rote Armee Kiew, Rostow, das Don-Gebiet und andere Regionen zurück, so daß den Weißen als letzte europäische Basis lediglich die Krim blieb. Nach dem Friedensschluß mit Polen konnte die Rote Armee neue Kräfte freisetzen und schließlich den Krieg für sich entscheiden. Viele Angehörige der Weißen Armee und andere Oppositionelle flüchteten daraufhin über das Schwarze Meer ins Ausland. Im asiatischen Teil Rußlands endete der Bürgerkrieg erst mit der Einnahme Wladiwostoks durch die roten Truppen im Jahre 1922.
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